Eisenbeschlag bietet Abriebschutz, wenn der Abrieb durch die Nutzung des Pferdes höher ist als das sich ständig erneuernde nachwachsende Horn der Hornkapsel.
Unerlässlich war er sicher in Zeiten, als Pferde noch viele Stunden am Tag als Arbeitstiere eingesetzt wurden.
Erfreulicherweise erkennen viele Pferdebesitzer, dass ein Abriebschutz bei den allermeisten Pferden nicht mehr erforderlich ist und befreien Ihre Pferde von den Eisen, die gegenüber dem Vorteil des Abriebschutzes folgende Nachteile für die Pferdegesundheit bringen:
Hufmechanik / Beweglichkeit der Hornkapsel wird eingeschränkt
Anschmiegen des Hufes an den Boden wird verhindert und Stöße wirken direkt und mit mehr Härte auf Knochen und Gelenke
Das Pferd wird seines Tastsinnes beraubt und geht unvorsichtiger mit seiner Gliedmaße um
Durchblutung ist schlechter wegen geringerem Bodenkontakt / geringerer Hornkapselbeweglichkeit und der damit verbundenen geringeren Reize
Stellungsfehler werden provoziert (überproportionaler Abrieb im Trachtenbereich), wenn der Hufbearbeiter hier nicht gegensteuert, was wiederum mit radikalen Veränderungen bei jedem Beschlagswechsel verbunden ist
größere Verletzungsgefahr für Mensch und Artgenossen
erhöhte Rutschgefahr
natürlicher Feuchtigkeitstransport der Hornkapsel wird durch Nagelung gestört
Eindringen von Keimen wird begünstigt
ursächliche, langsame Korrekturen von Fehlstellungen und Fehlbelastungen sind nicht möglich, sondern nur abrupte Veränderungen beim jeweiligen Beschlagswechsel
Unzufrieden mit der Bearbeitung und der Beurteilung der Hufe seiner Pferde durch diverse „Experten“ begann Jochen Biernat in den 80er Jahren sich intensiv mit Pferdehufen zu beschäftigen. Er studierte, experimentierte und sammelte auf vielen ausgedehnten Wanderritten soviel Erfahrung, dass er sich zu einem eigenständigen Hufexperten entwickelte. Ausführlich nachzulesen hier. Sein Rat und seine Arbeitsweise wurden sehr schnell durch immer mehr Pferdebesitzer in ganz Deutschland in Anspruch genommen, wodurch er noch zusätzliche wertvolle Erfahrungen sammeln konnte. Nachdem er den Weg zur Huforthopädie ein langes Stück allein beschritten hatte, veranstaltete er am 29. 8. 1998 in Morbach eine Tagung unter dem Motto „Alte Weisheiten, neue Erkenntnisse“. Da die herkömmlichen Huffachleute seinen Ansichten bisher äußerst ablehnend gegenüber standen, wollte er hier Interessenten und Auszubildende für seine huforthopädischen Ideen finden. Bei einem ersten anschliessenden Arbeitstreffen im Oktober 1998 erschienen sechs der Tagungsteilnehmer, weitere drei kamen später hinzu. Eine zweite Ausbildungsstaffel startet Anfang Dezember 1999 mit 18 Teilnehmern.
Jochen Biernat gründet das Deutschen Institut für Huforthopädie (DIfHO®), um dort aufgrund steigenden Interesses regelmäßig Ausbildungen anzubieten.
Am 31. 3. 2001 begann mit der dritten Staffel die erste reguläre Ausbildung am hierfür von Jochen Biernat gegründeten Deutschen Institut für Huforthopädie (DIfHO®).
Seitdem starteten regelmäßig weitere Ausbildungsstaffeln. Um den enormen Bedarf an DIfHO®-Huforthopäden zu decken und die Anfragen für Ausbildungsplätze besser befriedigen zu können. Da dies nicht mehr von einer Einzelperson zu bewerkstelligen war, waren wieder einige Neuerungen notwendig:
Es wurden erfahrene Huforthopäden, die sich durch die Gewissenhaftigkeit in ihrer Arbeitsweise ausgezeichnet hatten, zur Ausbildung mit heran gezogen. Das Ausbilderteam besteht heute aus über 20 motivierten Personen.
In den folgenden Jahren wurden weitere Standorte eröffnet. Aktualisierte Standorte und Staffelstartermine finden Sie hier.
Die im DIfHO gelehrte und von den DIfHO-HOen praktizierte Huforthopädie befasst sich mit der Verhütung von Fehlbildungen und Folgeerkrankungen der Hufe, sowie mit der Wiederherstellung der korrekten Hufe bei erworbenen Fehlbildungen und Erkrankungen der Hufe, und somit mit dem Erhalt und/oder der Wiederherstellung des gesunden Stütz- und Bewegungsapparates der Einhufer, namentlich derer der Pferde. Die angewandte Huforthopädie nach Jochen Biernat geht dabei nach folgenden Grundsätzen vor:
Prozesshafte, physiologisch und physikalisch sinnvolle Korrektur „werden lassen“, damit sich das Verhältnis von „außen zu innen“ (Hornkapsel/Hufbein/Knochensäule) selbsttätig in ein physiologisches Gleichgewicht einfindet.
Die angewandte Huforthopädie bedient sich dabei ausschließlich der physikalischen Wirkungsweisen, welche für das Erwerben von Fehlbildungen und ihren Folgeerkrankungen ursächlich sind. Das sind der natürliche Bodengegendruck infolge des auf die Hufe einwirkenden Körpergewichtes und der auf sie einwirkenden Arbeitsleistung, sowie der Hornabrieb welcher mit beiden physikalischen Einflüssen einhergeht. Die Huforthopädie verzichtet demnach auf sämtliche physikalisch wirkenden Fremdmittel wie Beschläge usw. Ziele der angewandten Huforthopädie ist die gleichmäßige Belastung jedes einzelnen Hufes durch das Herstellen konzertierter Hufmechaniken und die Optimierung des Bewegungsablaufs der Hufe, um so die Synchronisierung der Arbeitsweisen der Stütz- und Bewegungsorgane zu ermöglichen.
Die Aufgabengebiete:
Die Verhütung von erworbenen Schiefen und Asymmetrien der Hufe und Gliedmaßen bei Fohlen und Jungpferden
Den Erhalt der korrekten Huf-Fesselachse und der ungebrochenen Knochensäule bei Fohlen und Jungpferden
Die Verhütung einer postnatalen Fehlentwicklung zum erworbenen Sehnenstelzfuß, oder zu anderen erworbenen Fehlstellungen im Fohlenalter
Das Wiederherstellen der bestmöglichen gleichmäßigen Hufbelastung und Gliedmaßenstatik
Das Wiederherstellen der gleichmäßigen Balance der Gliedmaße
Das Wiederherstellen der physiologischen Ausrichtungen der Hufwände in Höhe und Schräge
Das Wiederherstellen des korrekten Verlaufs der Hufkrone
Der Ausgleich stauender und/oder hebelnder Hufwandmechaniken
Das Wiederherstellen der Riss- und spaltenfreien Hufwände
Die Wiederherstellung des korrekten Hornstrahls und der physiologischen Hufsohle
Die Regeneration des Hufbeinträgers
Das Wiederherstellen der korrekten Ausrichtung des Trachtenkomplexes
Die Regeneration des verschobenen und/oder des gerundeten Diagonalhufes
Das Wiederherstellen des ungehinderten Bewegungsablaufs der Gliedmaße
Die interdisziplinäre Zusammenarbeit mit dem Tierarzt bei Hufverletzungen, bei Huf-OP´s, bei der Eröffnung von Hufgeschwüren und bei Hufkrebsbehandlungen
Auszubildender während der Hufbearbeitung
Fachübergreifend:
Die Aufklärung des Pferdebesitzers über den aktuellen und angestrebten Zustand der Hufe
Die Beratung für die Umstellungsphase nach der Eisenabnahme und zur besonderen Hufbetreuung
Empfehlungen bzgl. der Bewegung des Pferdes, seiner Schonung und Rücksichtnahme
Die Beratung des Pferdebesitzers bei der Hufhygiene um Erkrankungen oder Infektionen des Hufes zu reduzieren oder zu vermeiden
Beratung im Umgang mit dem ängstlichen, erkrankten und/oder verletzten Pferd
Die Beratung zur Fütterung des Pferdes, hier besonders zur Vermeidung einer Hufrehe
Die Empfehlungen zur Tier- und Artgerechten Haltung
Die Hinweise auf erforderliche Untersuchungen oder Behandlungen, welche nicht zum Aufgabengebiet der Huforthopädie zählen
Die primäre Aufgabe der Huforthopädie ist die Prophylaxe, Gesunderhaltung oder Heilung von unphysiologischen Hufzuständen bzw. die Wiederherstellung bestmöglicher Hufzustände. Dies geschieht durch regelmäßige Bearbeitung in den für die jeweilige Hufsituation erforderlichen Intervallen. Verbunden mit gesunden Hufen ist die ebenfalls angestrebte oder daraus resultierende Gesundheit für den gesamten Gliedmassen- und Bewegungsapparat.
Ist das Fundament nicht intakt oder sogar erkrankt, so wirkt sich das negativ auf die gesamte Gesundheit des Pferdes aus.
Werden Hufe nicht so bearbeitet, dass sie in einem gesunden, bestmöglichen Zustand sind, sind eventuell vorliegende andere Erkrankungen auch nicht ursächlich behandelbar.
Voraussetzung für das Erreichen des Zieles, die Hufe in bestmögliche Zustände zu führen, sind detaillierte Anatomiekenntnisse, die Fähigkeit Ursachen für Veränderungen zu erkennen und Anwendung der korrekten Bearbeitungsmöglichkeiten der Huforthopädie nach Jochen Biernat. Die tätigen DIfHO®-Huforthopäden in diesen Fähigkeiten auf neuestem Kenntnisstand permanent aus-und fortzubilden ist das Hauptziel in der DIfHO® – Aus- und Fortbildung.
Gleichzeitig ist das DIfHO®-Fortbildungsprogramm im Sinne der Pferdegesundheit Garant für den Kunden, dass DIfHO®-Huforthopäden, die am DIfHO®-Fortbildungsprogramm teilnehmen auch nach bestandener Abschlussprüfung ihre Kenntnisse fortlaufend überprüfen lassen und auf den aktuellsten Stand bringen. Ebenso stehen die Ausbilder jederzeit als Ansprechpartner zur Verfügung.
Die Orthopädie wird im Allgemeinen als die Lehre von der Entstehung, Verhütung und Behandlung der angeborenen oder erworbenen Fehler in Form und Funktion des Bewegungsapparates definiert. Entsprechendes gilt für die Hufe als Anteile der Bewegungsorgane der Equiden.
Jochen Biernat
Da der DIfHO®-Huforthopäde die physikalischen Kräfte, die auf den Huf einwirken, berücksichtigt und auch nutzt, kann man die Huforthopädie als angewandte Hufphysik bezeichnen.
Der entscheidende Unterschied zwischen der Huforthopädie nach Jochen Biernat und anderen Methoden der Hufbearbeitung ist die Verhütung oder Behandlung der Erkrankungsursachen im Rahmen der Hufbearbeitung. Dies geschieht (ausser in seltenen, begründeten und medizinisch erforderlichen Ausnahmefällen) niemals durch radikale Methoden wie z.B. Kürzen einzelner Wandanteile, weil dies u .a. schädlich für die darüber befindlichen Scharniergelenke wäre.
Weiterhin wird niemals ein generelles Idealbild, sondern die für den jeweiligen Huf unter Berücksichtigung der Gesamtsituation des Pferdes (genetische und krankheitsbedingte Prädispositionen) bestmögliche, gesunde Situation angestrebt. Das heißt, dass der DIfHO®-Huforthopäde Fehlentwicklungen von Hufen nicht repariert oder die Symptome bearbeitet, sondern durch gezielte Bearbeitungsmaßnahmen, fortlaufende Anreize zur Umkehr der negativen Prozesse schafft.
Einziges Arbeitsmaterial dabei ist das ständig nachproduzierte Hufhorn des Barhufes.
Es kann mit den richtigen Kenntnissen und der richtigen Bearbeitungstechnik schon bei der Hornbildung in eine physiologisch gesunde und korrekte orthopädische Ausrichtung gebracht werden kann.
Da sich die Huforthopädie bei der Betreuung bereits gesunder Hufe aber auch bei der Rückgestaltung des kranken Hufes in seine natürliche Form, der gleichen Kräfte bedient, die ihn zuvor deformierten, erfolgen die Korrekturen meist in kurzen Abständen und erzielen bisher nie erreichte positive Ergebnisse.
Erfahrungsgemäß haben sich 4-wöchige Intervalle als optimal erwiesen.
Bei Erkrankungen oder stark deformierten Hufen sind anfänglich kürzere Intervalle nötig. Der jeweilige uHufzustand ist für die Intervallfestlegung entscheidend.
Der Huforthopäde schneidet und raspelt niemals für das Auge des Besitzers, immer aber zum Wohl des Hufes. Hierbei werden die Kräfte genutzt, die den Huf täglich und unausweichlich gestalten und formen.
Es ist möglich, dass der Pferdebesitzer bei anfänglich schwierigen Situationen vermehrt in den Heilungsprozess mit eingebunden wird. Gute Kooperation und Beachtung und Durchführung der empfohlenen Maßnahmen insbesondere zur zeitweisen Schonung des Pferdes sind maßgeblich für den Erfolg.
Bei schwerwiegenderen Problemen, bei der evtl. sogar die Aufnahme in die Huf-Rehastation angeraten ist, gilt es, die Behandlung in einem für das Tier so gut es geht erträglichen Zustand und Zeitrahmen zu halten. Erwägungen wie etwa die Nutzung des Pferdes müssen während eines schwierigeren Heilungsprozesses als zweitrangig angesehen werden.
Dies ergibt sich selbstverständlich aus dem Tierschutzgedanken, der immer und bei jeder Behandlung oberste Priorität hat.
Diese Frage stellt sich mancher Pferdebesitzer, wenn bei seinem Pferd Veränderungen an den Hufen erkannt werden oder Störungen im Bewegungsablauf auftreten, oder wenn sich z.B. der Hufschutz vermehrt einseitig abnutzt oder vorzeitig verloren geht.
Zum Verständnis der Wirkungsweisen der angewandten Huforthopädie muss man zunächst wissen, dass die Hufe zwei Gesetzmäßigkeiten unterliegen. Das sind die physikalisch bedingten Vorgänge, welche infolge der Körperlast (ist gleich Bodengegendruck) tätig werden, sowie die allgemeinen biologischen Grundgesetze infolge der Einheit des Hufes mit dem Gesamtorganismus.
Die physikalischen Vorgänge
Sie sind zunächst für den natürlich stattfindenden Materialabrieb an dem Verschleißkörper der Gliedmaße, dem Huf zuständig, wodurch der rundum gleichmäßige und ständig stattfindende Hornwuchs – oder treffender Hornnachschub – ausglichen werden soll. Physikalisch bedingt ist aber weiterhin, dass ein gleichmäßiger Hornabrieb eine gleichmäßig auf den Huf verteilte Belastung durch die Gliedmaße erfordert. Eine Gleichmäßigkeit wie sie -trotz ihrer Vielfältigkeit- in der physikalisch bestimmten Natur zunächst per se nicht vorkommt.
Stattdessen bestimmen genetisch fixierte Prädispositionen und eventuell erworbene Veränderungen den Gebrauch der Gliedmaße und somit die Nutzung des Hufes und folglich die Abnutzung des Hufhorns. Es ist deshalb die natürliche Ungleichheit, bzw. die viel zitierte natürliche Schiefe ursächlich dafür, dass Hufe im Laufe ihrer Nutzung sich ungleich abnutzen und sich somit erworbene Schiefen einstellen. Hufschiefen, welche in der Folge miteinander und konträr zueinander hufdeformierende Kräfte entwickeln. Hinzu kommen die potenzierenden, vielfältigsten äußeren Einflüsse aus einem mit der domestizierten Pferdehaltung einhergehenden physischen Umfeld, welches den Bedürfnissen eines Einhufers in aller Regel nicht entspricht.
Die Einwirkungen auf den Huf infolge des Körpergewichtes (gleich Bodengegendruck) lassen neben dem oben beschriebenen ungleichen Verschleiß der Horne ebenfalls solche physikalisch bedingten Kräfte zur Wirkung bringen, welche geeignet sind, den Hornschub nach distal (unten) infolge zu hohen Bodengegendrucks entweder ausweichen zu lassen, ihn auszubremsen oder gänzlich zu blockieren. Die Folgen solcher Bodengegendrücke -welche die Trag- und Resistenzfähigkeit der Hufe überschreiten- sind ausweichende und/oder nach proximal anstauende Hufwände- und Hälften, da der Hornschub unter dem Bodengegendruck und auf Grund der dadurch wirksamen physikalischen Gesetzmäßigkeiten den Weg des geringeren Widerstandes einnimmt. Die Folgen bei einem Huf bei dem der Hornschub entweder ausgebremst wurde oder dem Bodengegendruck weichen konnte, sind zum einen der Verlust der korrekten Anbindung des Hufes an sein Hufbein und somit andererseits zugleich der Verlust der gleichmäßigen Gliedmaßen-Balance, mit negativen Auswirkungen auf die Gelenke der Gesamtgliedmaße.
Die biologischen Vorgänge
Der multipel in seiner Form veränderte Huf nimmt infolge der mit den Veränderungen einhergehenden und somit unphysiologischen Druck- und Hebelkräften erheblichen Einfluss auf seine inneren Strukturen.
Es werden Druck, Hebel- und Zugkräfte wirksam, welche insbesondere auf das der Hufwand unmittelbar benachbarte Hufbein nachhaltig einwirken und es zum Anpassen in den sich verändernden Huf veranlassen. Diese biologische knochenmorphogenetische Anpassung des Hufbeins in die sich verändernde Hufform ist die Grundvoraussetzung gegen z.B das Aufbersten einer Hufwand infolge einer erworbenen ein- oder beidseitigen Enge.
Tatsächlich haben auf den Hufbeinknochen einwirkende Kräfte, sowohl die drückende Kraft bei der zu engen, als auch die ziehende Kraft bei der zu breiten Hufhälfte, Einfluss auf den biologischen, mit dem Stoffwechsel einhergehenden und durch diesen bedingten Umbau der Knochenzellen während ihres Erneuerungsprozesses. Die von der Hufform abhängig generierten Drücke und Zugkräfte wirken auf den Hufbeinknochen auf die gleichen Arten und Weisen morphogenetisch (formgebend) wie die Kieferspange in der Kieferorthopädie. Beides geschieht nach dem biologischen Prinzip, dass nämlich auf einen Knochen einwirkende Drücke ihn im Umbau weichen lassen, während andererseits sein Umbau ebenfalls Zugkräften folgt.
Es sind deshalb bei dem Huf die mit der Kieferspangen-Wirkung vergleichbaren, morphogenetisch wirksamen Kräfte der Hufwände, die ein Hufbein entweder in der genetisch vorgesehenen Form erhalten oder analog zur erworbenen Hufschiefe zusätzlich eine gleiche Schiefe des Hufbeinknochens entwickeln, von welcher die Knochensäule insgesamt morphogenetisch bedingt ebenfalls betroffen ist.
So ist es einerseits einer Druck auf den Hufbeinknochen ausübenden Kraft zuzuschreiben, wenn ein Huf halbseitig enger bzw. schmäler wird, und andererseits einer auf den Hufbeinknochen einwirkenden Zugkraft geschuldet, wenn ein Huf halbseitig breiter wird. Da sich an ungleich belasteten Hufen stets eine ausweichende, breitere und eine enger und schmäler werdende Hufhälfte entwickelt, werden infolge der von den Hufwänden ausgehenden Hebel- und Druckkräfte an einem Hufbeinknochen beide morphogenetischen Kräfte wirksam.
Die angewandte Huforthopädie
Die Zusammenhänge der physikalischen Einflüsse des Hufes auf die biologischen Umbauprozesse namentlich des Hufbeinknochens machen deutlich, dass ein Huf ausschließlich dann zu seiner genetisch vorgesehenen Form zurück gebracht werden kann, wenn das Hufbein durch den Huf und die Kräfte die durch ihn generiert werden, dazu animiert wird. Wenn also die hufmechanischen Kräfte, welche das Hufbein zuvor deformierten, aufgehoben und sukzessive umgekehrt werden.
Zur Umkehr der verändernden Hufmechaniken ist ein Prozess erforderlich, welcher den Gleichklang der Umformprozesse des Hufes analog zum biologischen Umbauprozess des Hufbeins stattfinden lässt. Die Huforthopädische Rehabilitierung erworbener Fehlformen der Hufe und mit ihnen die der Gliedmaße erfordert deshalb ständiges und an den biologischen Umformungsprozess der Knochen orientiertes huforthopädisch wirksames Korrigieren des Hufes.
Die regelmäßig durchzuführenden huforthopädischen Korrekturimpulse müssen deshalb zeitlich an den Hornnachschub angepasst bleiben, weil erst hierdurch ein gesichert werdender und zeitgleich mit den biologischen Knochen-Umbauprozessen einhergehender Korrekturvorgang eingeleitet und beibehalten werden kann. Orientiert an diesen Vorgaben erfordert der biologisch korrekte Korrekturvorgang zeitlich an ihm orientierte und regelmäßige Behandlungsintervalle, sowie den hierfür erforderlichen Zeitrahmen. Multipel deformierte und eventuell erkrankte Hufe und Gliedmaßen können naturgemäß auch kürzere Behandlungsintervalle erforderlich machen, als die die üblichen korrekturpotenten vier Wochen zwischen den Hufbehandlungen, und ihr Heilprozess kann erst in einem der Problematik entsprechend längeren Zeitrahmen abgeschlossen werden.
Postnatal erworbenen Ungleichheiten des Hufes, von denen stets die Knochensäule insgesamt negativ betroffen ist, sind als die klassischen Einsatzgebiete der Huforthopädie zu bezeichnen. Indem durch ihre korrekten Anwendungen die identischen hufphysikalischen Kräfte zur Rehabilitierung genutzt werden, die naturgemäß an den Hufen auftreten, greifen die Anwendungen am Verursacher der Ungleichheiten mit dem Ziel direkt ein, den nachschiebenden Hufhornen den ursprünglich korrekten Weg wieder frei zu geben. Die physikalische Korrektur der Hufe geht mit der biologischen Wiederherstellung der Gliedmaßen- Balance einher, sowie mit der Rehabilitierung der an den Gliedmaßen beteiligten Knochen und Gelenkebenen, und bedingt diese. Ein Umstand der der besonderen Beachtung bedarf, wenn über das rehabilitierende Potential der Huforthopädie nachgedacht wird. Dabei muss ebenfalls der Umstand bedacht werden, dass die durch Fehlformen der Hufe verursachten und multiplen Veränderungen an den Bewegungsorganen zunächst von den Pferden nicht wahrgenommen werden, und deshalb seine Bewegungsabläufe auch für den Betrachter nicht auffällig werden. Allerdings liefern die Hufzustände insgesamt deutliche Hinweise auf drohende und eventuell nicht mehr reversible Schäden, wenn diese nicht frühzeitig realisiert oder durch Korrekturschneiden oder sogenannte Korrekturbeschläge kaschiert werden. Unsere Falldokumentationen von huforthopädisch rehabilitierten Hufen machen deutlich, dass die Hufe der Pferde trotz der unterschiedlichsten erworbenen Fehlformen zu ihren bestmöglichen Formen zurückfinden können, wozu es meist nur der Entschlusskraft seines Besitzers bedarf.
Für die langfristige Gesunderhaltung der Hufe Ihres Pferdes brauchen Sie regelmäßig einen DIfHO®-Huforthopäden, der sich um Prophylaxe, Ursachenbehandlung bei Problemen und Gesunderhaltung kümmert.
Erfahrungsgemäß führen 4-wöchige Bearbeitungsintervalle hier zum Ziel. Situationsbedingt können kürzere Intervalle erforderlich sein. Ihr DIfHO®-Huforthopäde wird Sie hierzu beraten. Viele Besitzer erfahren erst nach einem langen Leidens- und Irrweg von der Huforthopädie nach Jochen Biernat. Oft stehen Lahmheiten und pathologische Veränderungen im Vordergrund, wenn der Pferdefreund sich an einen DIfHO®Huforthopäden wendet.
Wann brauche ich einen Huforthopäden
Erkrankungen der Hufrolle, der Gelenke, des Hufknorpels, Hufrehe oder Hufabszesse sind häufige Diagnosen im huforthopädischen Alltag. Da diese Erkrankungen ihre Ursache zumeist in einem verformten Huf haben, ist es hilfreich, sich schon vorher um eine Beurteilung der Hufsituation zu bemühen noch bevor das Pferd Lahmheiten oder Krankheitsbilder zeigt.
Rillen, Risse, Verfärbungen, Verformungen der Hufwand, angegriffene Hufbeinträger und von Fäulnis befallenes Strahlhorn senden deutliche Signale, die verstanden werden wollen. Vornehmlich greift die Huforthopädie nach Jochen Biernat gerne prophylaktisch ein, dadurch Züchter, Reiter und Besitzer schon im Vorfeld über physiologische Hufformen und pathologische Abweichungen zu informieren. Auch die Beratung bei der Fohlenaufzucht (z.B. hinsichtlich geeigneter Untergründe) und die frühzeitige Arbeit am Fohlenhuf gehören hierher. Weiteres hierzu finden Sie unter der Rubrik Huforthopädie.
Alle DIfHO®-Huforthopäden finden Sie in unserem Verzeichnis unter Huforthopäden.
Huforthopäden mit bestandener Zwischenprüfung finden Sie ebenfalls in diesem Verzeichnis unter DIfHO®-Huforthopäden vor der Anerkennung. Diese Hufspezialistinnen und –spezialisten wurden am Deutschen Institut für Huforthopädie in den Methoden Jochen Biernats ausgebildet und geprüft. DIfHO®-Huforthopäden nehmen jährlich an mindestens vier Pflichtfortbildungen am Deutschen Institut für Huforthopädie® teil.
Durch das vertraglich gesicherte Kontrollsystem wird gewährleistet, dass DIfHO®-Huforthopäden regelmäßig Ihre Fähigkeiten überprüfen lassen und die neuesten Erkenntnisse in ihre Arbeit am Pferdehuf mit aufnehmen und anwenden können. Die Teilnahme wird mit einer Jahresplakette auf dem Ausweis der Huforthopäden bestätigt. Dem Pferdebesitzer wird vor der Auftragserteilung empfohlen sich diesen Ausweis vorlegen zu lassen und die Jahresplakette auf Aktualität zu überprüfen.
Ausweis der DIfHO Huforthopäden
Seit 2016 haben die Ausweise ein neues Design. Die alten behalten natürlich weiterhin ihre Gültigkeit.
Der Hornstrahl hat zuvorderst schützende, stützende und dämpfende Eigenschaften. Er ist wie der restliche Huf ein Anhangsgebilde der Haut mit allen hauttypischen Charakteristiken. Die Struktur, Konsistenz und die Funktionen des Strahlhorns unterscheiden sich aber wesentlich von den anderen Hufhornen. Es ist innerhalb seiner physiologischen Grenzen deutlich feuchtigkeitsliebender, und je nach Sättigungsgrad mit Feuchtigkeit aus dem physikalischen Umfeld von mehr oder weniger zähelastischer Konsistenz. Das Strahlhorn kann an seiner Außenschicht durch anhaltende Trockenheit auch sehr dicht werden und dann steinhart sein. Aufgrund der ständigen Versorgung mit körpereigener Feuchtigkeit aus der Strahllederhaut bleiben die Anbindung des Strahlhorns an seine Lederhaut und seine Basis dagegen stets mit dem physiologisch korrekten Anteil an Feuchtigkeit gesättigt und der Strahlkörper somit stets funktionstüchtig.
Entsprechend seiner Eigenschaften und Lokalisation soll der Strahl die Auftritthärte der Gliedmaße minimieren, und er ermöglicht als elastische Verbindung zwischen beiden Hufhälften zugleich den kontrollierten und gedämpften Ablauf ihrer interaktiven Mechaniken. Gemeinsam mit dem oberhalb liegenden Strahlkissen ist der Strahl je nach Kondition und Volumen zusätzlich geeignet das Hufgelenk mit dem Strahlbein mehr oder weniger stützend zu unterpolstern und somit die Aufhängebänder des Strahlbeins zu entlasten. Der taugliche Strahl kann demnach wichtige Aufgaben für den Erhalt des funktionierenden Hufes und für eine tüchtige Gliedmaße übernehmen. Die Erfüllung seiner Aufgaben ist aber wegen der bodennahen Positionierung und besonders aufgrund seiner Lage zwischen zwei ihn dominierenden Hufsegmenten die seine Ausdehnung und Form mechanisch beeinflussen können meist gefährdet.
Veränderungen und Erkrankungen
1. Stauende Feuchtigkeit.
Ein Gefahrenpotential für das Entstehen von Veränderungen die schließlich zu einer Reaktion mit Erkrankung des Hautanteils „Strahl“ führen stellen die unphysiologischen und somit ungünstigen auf seine Lederhaut einwirkenden mechanischen Einflüsse dar, wie sie mit sich verändernden Hufen nun mal zwangsläufig einhergehen. Hierbei handelt es sich um den Strahl seitlich einengende Drücke wie z.B. bei eingerollten Trachten-Komplexen, wenn bei Trachtenzwang der jeweils beteiligte Strahlanteil eingeengt wird. Wird ein Huf ein- oder beidseitig enger werden die Strahlfurchen rein mechanisch bedingt zu engen und schwitzfeuchten Hautfalten. Betroffen als enge Hautfalte ist neben den seitlichen Strahlfurchen hauptsächlich die mittlere Strahlfurche, bei der die Schwitzfeuchte aufgrund der Enge zur sauerstoffarmen stauenden Feuchtigkeit wird, in welcher das nachwachsende Horn sich nicht festigt sondern zu einer hellen und penetrant übelriechend breiigen Schmiere wird. Die so vom Horn entblößten Anteile der Saum-Ballen-Strahllederhaut sind hypersensibel bei Berührungen und sicherlich insgesamt zumindest unangenehm für das Pferd. Äußerlich erkennbar ist der Krankheitsherd in der mittleren Stahlfurche an der für das Krankheitsbild typischen und häufig bis hoch in die behaarte Haut und tief zwischen die Gewebe reichenden und krustig umrandeten Zusammenhangstrennung zwischen beiden Ballen. Eher selten und als Nebenerscheinungen können sich mittig beider Ballen skurrile Hahnenkamm-Horngebilde entwickeln die dann in Aussehen und Form einem Holzspan oder Metallnagel ähneln können.
2.Anaerobe Bakterien
Mit der Anfangsveränderung der zu engen und feuchten Hautfalten sind zusätzlich sauerstoffarme und feuchtwarme Bereiche entstanden, die einer systematischen Säuberung schon wegen des Widerstandes der Pferde oft nur eingeschränkt zugänglich sind, und in die sich in der Folge anaerobe Darmbakterien einnisten können, die von überwiegend Pflanzen fressenden Tieren mit den Darminhalten ausgeschieden werden. Der Befall mit dem streng anaerob wachsenden Fusobacterium führt zur bakteriellen Zersetzung des Horns (Mazeration) in einen halbflüssigen Zustand und ist an einer ebenfalls übelriechenden, aber dunklen schwarzgrauen Flüssigkeit oder Schmiere erkennbar. Das mazerierte Horn wird von Tierärzten gerne als „schwarzer Eiter“ bezeichnet und antibiotisch -! behandelt. Von einer solchen bakteriellen Fäule ist grundsätzlich nur das Horn betroffen aber nicht die benachbarte Huflederhaut. Sie kann durch die Strahlhornfäule aber völlig vom Horn entblößt werden, was dann schmerzhaft wird und zu der Folgeerkrankung führen kann die als Strahlkrebs benannt ist, und schließlich zu der weiteren Komplikation der sogenannten chronischen Saumbandentzündung. Die Strahlfurchen in ihrer Tiefe und überhaupt alle Bereiche der Bodenfläche des Hufes in denen halboffene und sauerstoffarme Bereiche bestehen sind immer für das Entstehen der Hornfäule gefährdet. Hierzu zählen neben unzureichend ausgeräumten Strahlfurchen besonders die eng gewordenen Hufe, bei denen durch ihre halbseitige Überbelastung die bodennahen Horne dem Druck gewichen sind, und z.B. das Strahlhorn seine zentrale Position und Ausrichtung eingebüßt hat und Strahlfurchen abdeckt oder einengt. Auch in den bodennah aufgerissenen bzw. breit gespreizten Hornblättchen und bei Rissen in der Hufwand- und Sohle besteht sauerstoffarmes feuchtwarmes Klima, welches infolge der erheblichen Kontaminationen aus dem Lebensraum der Pflanzenfresser ebenfalls besonders anfällig für Fäulnis ist. Bei den Hornfäule verursachenden Bakterien handelt es sich um Darmbakterien welche unter Sauerstoff nicht existieren können. Folglich muss es sauerstoffarme Bereiche wie Enge oder pathologische Zusammenhangstrennungen bei den bodenseitigen Hufhornen geben, wenn Anzeichen für Fäulnissprozesse wie schwarze Schmiere, Geruch oder gar Schmerzhaftigkeit beim Reinigen der Strahlfurchen festgestellt werden, und schwarzgraue übelriechende flüssige bis halbflüssige Schmiere auftritt. Mit der Anzahl der Pferde auf einen begrenzten Raum erhöht sich naturgemäß auch der bakterielle Druck zur Entstehung von Strahl- oder Hornfäule insgesamt, und umso mehr potenzielle Träger die Bakterien an bzw. in ihren Hufen herumtragen und im Habitat verbreiten umso mehr wird sich der bakterielle Druck dort erhöhen. Daraus folgt die Erkenntnis schon durch eine systematische mechanische Säuberung der Hufe bei allen vergemeinschafteten Artgenossen den bakteriellen Druck gering halten zu können. Die Strahlfäule kann auch bei guter Hufhygiene und in einem von Exkrementen armen Habitat auftreten. Sie ist dann als pathologisches Symptom unregelmäßiger also pathologisch veränderter Hufe anzusehen, was bei regelmäßigen und zielführenden Hufbetreuungen aber größtenteils vermieden werden kann. Wenn allerdings Unerreichbarkeiten eine tiefe und gründliche Reinigung besonders des Stahls und seiner Furchen nicht zulassen muss der Allgemeinzustand der betroffenen Hufe neu bewertet und Schritte eingeleitet werden, die zur orthopädischen Wiederherstellung der korrekten Hufe geeignet sind.
Fachbezogen relevante anatomische Einrichtungen und Funktionen.
Das Hufbein ist von dem Huf umgeben und somit der Endknochen der Pferdegliedmaße. Das Hufbein ist über den Hufbeinträger innen an die Hufwand angehängt und überträgt über diesen die Last der Knochensäule über den Huf auf den Boden. Mittig an der Unterseite des Hufbeins setzt die tiefe Beugesehne an. Es handelt sich bei ihr um eine kräftige und um die längste Beugesehne der Gliedmaße. Sie verläuft an der Rückseite der Gliedmaße zunächst bodennah und nach der Passage über das Strahlbein und die Gleichbeine oberhalb des Karpalgelenks zu ihrer Muskulatur, die durch Kontraktion das Hufbein im Hufgelenk beugt und somit Bewegung erzeugt. Der Gegenspieler der tiefen Beugesehne, die gemeinsame Strecksehne setzt vorne/oben am Strecksehnenansatz des Hufbeins an und verläuft von der Vorderseite des Röhrbeins nach oben/außen abweichend oberhalb des Karpalgelenks zu ihrem Streckmuskel. Die Aufgabe der gemeinsamen Strecksehne ist u.a. das Strecken und nach vorne Führen der, für die Bewegung, gebeugten Gliedmaße. Diesem geringeren Leistungsbedarf entsprechend handelt es sich bei ihr zunächst um eine Sehne mit geringerem Durchmesser und mit weniger Zugvermögen als die tiefe Beugesehne. Ab Höhe des Kronbeins verbinden sich allerdings die Endschenkel des Fesselträgers mit dem Endschenkel der nun zügig breiter werdenden gemeinsamen Strecksehne. Die jetzt um etwa das vierfach breitere gemeinsame Strecksehne übernimmt ab der Vereinigungsstelle mit beiden Unterstützungsschenkeln des Fesselträgers die von ihm getragene Last. Die gemeinsame Strecksehne bewegt somit nicht nur die Gliedmaße während der Hangbeinphase, sondern trägt während der Stützbeinphase das Körpergewicht und die Fessel in der vorgesehen Schräge. Diese nicht durch einen Muskel, sondern passiv durch seine Aufhängung an dem Hufbein generierte Tragekraft des Fesselträgers auf die gemeinsame Strecksehne und über diese auf den knöchernen Strecksehnenansatz des Hufbeins, stellt deshalb bei Belastung der Gliedmaße den kräftemäßigen Ausgleich zur Zugkraft der tiefen Beugesehne dar. Es handelt sich bei ihr somit um eine physikalisch kluge anatomische Einrichtung, welche bei der Gliedmaßen-Belastung zuverlässig die drehende Verlagerung des Hufbeins in seinem Huf verhindert, und somit eine Rotation des Hufbeins infolge unangepasster Sehnentätigkeiten zu seiner steileren Ausrichtung im Huf ausschließt. Besonders der Kräfteausgleich zwischen der tiefen Beugesehne und der Gemeinsamkeit von Strecksehne und Fesselträger wird bei den Befürwortern einer Rotation des Hufbeins bei der Hufrehe nicht bedacht. Schon dieser Umstand führt besonders bei dieser oder bei ähnlichen Veränderungen am Endglied der Knochenachse zu den häufigsten Fehleinschätzungen dessen, was zur Veränderung führte. (siehe auch Hufrehe u.…)
Das Rotieren des Hufbeins und Hufes zum erworbenen Sehnenstelzhuf
Zur Rotation eines Hufbeins zum Sehnenstelzhuf kommt es, wenn an einer Fohlengliedmaße das Längenwachstum der tiefen Beugesehne mit der Zunahme der Knochenlänge nicht standhält. Infolge der ständig zunehmenden Länge der Gliedmaßen-Knochen der Fohlen und bei gleichzeitig stagnierendem Längenwuchs der tiefen Beugesehne wird diese unter zunehmende Spannung gebracht, welche sich auf die Ansatzstelle der tiefen Beugesehne an der Unterseite des Hufbein auswirkt und es so zur Drehung in eine von der Knochenachse abweichende steilere Stellung bringt.
Es handelt sich bei dem „Fohlenstelzhuf“ daher nicht um eine krankheitsbedingte Veränderung, sondern um eine durch den natürlichen Wuchs der Knochen bedingte mechanische Beugung des Hufgelenks. Diese Beugung des Hufbeins erfolgt nicht als Rotation innerhalb des Hufes, sondern der Huf folgt der Drehung des Hufbeins. Der Beginn der Veränderung kann deshalb schon bei äußerer Betrachtung erkannt und dann erfolgreich korrigierend eingegriffen werden, wenn die notwendigen Korrekturprozesse unmittelbar bei sichtbar werden der nicht korrekten Huffesselachse einsetzen. Dennoch stellt der erworbene Sehnenstelzhuf, der mit einer Häufigkeit von etwa 80% an der rechten Vordergliedmaße anzutreffen ist, die bei Weitem häufigste erworbene Fehlstellung bei Pferden dar. Die Ursachen können genetisch prädestinierende sein wie etwa bei grundsätzlich steileren Schultergliedmaßen oder langen Fesseln, aber ebenfalls als Folgen eines herbeigeführten schnellen Wuchses und bei zu mastigem Futterzustand im Fohlenalter. Neben prädestinierenden und pathologischen Umständen können auch multiple physikalisch wirkende Vorgänge für eine solche ungünstige Umgestaltung der Endgliedmaße verantwortlich sein. Hierzu zählen nicht hufgerechte Lebensbedingungen wie bei grundsätzlich weichen und nachgiebigen Böden, in welche die Hufzehen ohne konkreten Bodengegendruck einsinken können, sowie als Folge einer allgemeinen Bewegungsarmut bei überwiegender Boxenhaltung der Fohlen. Ferner aufgrund eines verletzungsbedingten oder gewohnheitsmäßig und systematisch eingenommenen ungleichen Gliedmaßen Gebrauchs, und grundsätzlich als Folge der Vernachlässigung des Erhalts des korrekten Hufes an einer ungebeugten und daher korrekten Huffesselachse. Eine weitere und nicht zu unterschätzende Ursache stellt das vorzeitige Entfernen des sogenannten Fohlenschnabels schon am Geburts-Huf dar, der sich im Anschluss an die sogenannte Fohlenrinne bildet und der bei dem jetzt unter physikalischem Einfluss nachwachsenden Huf die Zehenwand nach vorne verlängert. Die Fohlenrinne entsteht im Moment der Lastübernahme der neu geborenen Hufe, sie demarkiert die Hufwand parallel zur Hufkrone, und somit ebenfalls die Wandmechanik, aber besonders die der Zehenwand zu einem „Althuf“ und „Neuhuf“. Mit zunehmenden Alter des Fohlens und in dem Maße wie die Fohlenrinne nach unten Richtung Tragrand befördert wird, driftet die geschnabelte Zehenwand unterhalb der demarkierenden Rille weiter nach vorne ab. Dieses führt zur zunehmenden Verlängerung der unteren Hufzehenwand, was zum Erhalt eines hohen Kraftaufwands besonders während der Abhufphase führt und somit zur kontinuierlich anhaltenden wuchsanregenden Spannung auf die tiefe Beugesehne. Ein Fohlenschnabel erhält so während der ersten Lebensmonate die erforderliche, weil wuchsanregenden Spannung der tiefen Beugesehne und soll zwingend erhalten bleiben.
Die häufig bereits in den ersten Lebenswochen einsetzende Ungleichheit zwischen dem Knochenwuchs und der Längenzunahme des Zehenbeugers kann theoretisch anhalten bis das Pferd seine Endgröße erreicht hat. Da Pferde aber besonders in den ersten Lebensmonaten zügig wachsen besteht auch hier die größere Gefahr, dass es zu der erworbenen Veränderung kommen kann. Einmal begonnen nimmt sie in dem Maße und so lange zu, wie die für das Längenwachstum der tiefen Beugesehne erforderlichen Wachstumsreize reduziert sind, welche ja erst durch die Zugbelastung auf die Beugeeinrichtungen und infolge derer Tätigkeiten generiert und durch sie bestimmt werden. Allerdings fehlen bei einer im Vergleich weniger beanspruchten Gliedmaße häufig diese Wachstumsreize und zwar völlig unabhängig von der Ursache für die Belastungs- und Bewegungsstörung.
Belastungsreize, die das Längenwachstum der tiefen Beugesehne bestimmen, können aber auch ohne jeglichen pathologischen oder genetischen Hintergrund, z.B. durch im Verhältnis zu lang belassene Trachtenkomplexe und/oder wegen Überständen des Ballen-Strahlhorns dann reduziert sein, wenn dadurch der Huf in seinem Gelenk gebeugt wurde. Auch aufgrund einer Hufgelenk-Beugung infolge eines Hornüberstandes an der hinteren Hufpartie geht eine Verringerung der Zugbelastung auf den Zehenbeuger einher, dessen reduzierter oder stagnierender Längenwuchs in dem Fall zunächst ohne offensichtlich beschwerte oder gestörte Bewegungsmuster verläuft.
Zur Vermeidung einer meist sehr zügig voranschreitenden Rotation des Hufes kommt der ständigen Beobachtung des Gliedmaßen Gebrauchs der Fohlen eine hohe Bedeutung zu. Schon die Angewohnheit bei der Futteraufnahme vom Boden oder säugend ständig die gleiche Gliedmaße zu entlasten kann zu deren Fehlentwicklung mit beitragen. Der Huf an einer systematisch weniger arbeitenden Gliedmaße und seine Ausrichtung an der Fesselachse sollte deshalb besonders während der ersten Lebensmonate sehr genau beobachtet werden. Zu beobachten sind beide Vorderbeine insbesondere im Stand. Hierbei sollten beide Vordergliedmaßen senkrecht stehen um die Ausrichtung jedes Hufes zu seinem Fesselstand beurteilen zu können. Ferner ist zu beobachten ob das Fohlen durch nach vorne stellen eine senkrechte oder rückwärtige Stellung systematisch mit der gleichen Gliedmaße vermeidet. Bei der bewegten Gliedmaße können die Aktionen beider Hufgelenke miteinander verglichen werden, wobei besonders deren Beugewege auf ihre Weitläufigkeit beobachtet werden sollten. Der erworbene Sehnenstelzhuf darf nicht mit dem steileren Huf bei einer steileren Fessel einer Gliedmaße verwechselt werden, denn ausschlaggebend für eine korrekte Huffesselachse ist stets die nicht gebeugte Ausrichtung des Hufes an die Fessel.
Andere Hufbein- und Hufrotationen
Zu einer erworbenen Beugung des Hufgelenkes kann es dann ebenfalls bei erwachsenen Pferden kommen, wenn die tiefe Beugesehne dauerhaft und über einen für die biologischen Zellerneuerungsprozesse relevanten Zeitrahmen hinweg ständig geschont wird, und die tiefe Beugesehne sich infolge dessen zurückbildet. Da die erforderliche Stand-Stabilität einer Gliedmaße auch wesentlich durch den vom Hufzustand abhängigen physikalischen Gegendruck bestimmt wird, ist ihre stabile Lastaufnahme und die Verweildauer unter Belastung ebenso wesentlich von den äußeren Maßen des Hufes abhängig. Die Gefahr einer sich entwickelnden Beugung des Hufgelenks besteht deshalb besonders dann, wenn die Gliedmaße nicht durch einen funktionsfähigen, die Hufknochenachse im Stand stabilisierenden Huf unterstützt wird, sondern infolge der mangelhaften Funktion das Überköten das Hufes und die Beugung der Zehengelenke zulässt. Bei einem Huf mit im Verhältnis zu niedriger, zu kurzer bzw. entfernter Zehenwand und/oder infolge zu hohen Trachten besteht diese Neigung zur vorzeitigen mechanischen Beugung der Zehengelenke bereits während der Stützbeinphase. Hierdurch fehlen die physikalischen Vorbedingungen für ein standfestes Belasten des Hufes und der Knochenachse, und somit ebenfalls die physiologische Spannung insbesondere der tiefen Beugesehne die deren Rückbildung verhindert kann.
Sämtliche benannten und über eine etwa Jahresfrist hinaus anhaltenden Umstände können zur erworbenen Beugung des Hufgelenks führen, die einmal begonnen, konventionell durch Niederschneiden der Trachten oder durch physische Gewaltanwendungen gegen die tiefe Beugesehne, und somit gegen das Strahlbein mit der Hufrolle wie z.B. durch Sonderbeschläge meist nicht mehr rückgängig gemacht werden können, sondern dann lediglich durch chirurgische Eingriffe.
Die Gefahr, dass es zu einer solchen stets folgenreichen Fehlentwicklung kommt, besteht immer bei einer nicht intakten oder nicht oder nur teilweise vorhandenen Hufzehenwand, bei zu lang belassenen Trachtenwänden und besonders bei gleichzeitigem Schonen der Gliedmaße. Wenn man sich daher mit solchen Problematiken zu beschäftigen hat, kommt der zusätzlich drohenden und folgenreich entstehenden Fehlentwicklung besondere Beachtung zu.
Angeborene Rotationsstellungen von Hufbein und Huf.
Hierzu zählt zumal der Bockhuf, der bei beidseitig angeborenem Vorkommen vermutlich auf eine erbliche Prädisposition hinweist. Diese meist an den Hintergliedmaßen anzutreffende Veränderung an der Huffesselachse ist bei dem ausgewachsenen Pferd keiner konventionell korrigierenden Therapie zugänglich, sie stellt bei einem Winkel von bis zu 60 Grad bei der Zehenwand zur Hufsohle aber keine wesentliche Einschränkung der Gebrauchsfähigkeit der betroffenen Gliedmaßen dar. Weil die Neigung zum Bockhuf in einer Zuchtlinie aber durchaus zu variablen Beugungen des Hufgelenks bei anderen Nachkommen führen kann, sollte diese Zuchtlinie von der weiteren Zucht ausgeschlossen werden. Die Wahrscheinlichkeit, dass Bockhufe vererbt werden ist deutlich höher, wenn sie in den Zuchtlinien beider Elterntiere vorkommen. Wenn bei angeborenen Bockhufen diätetische Ursachen wie infolge einer Krankheit oder aufgrund von Mängeln an Futterinhaltstoffen während der Trächtigkeit angenommen werden können, sollten die bei dem Fohlen frühzeitig ermittelt und problemorientiert ausgeglichen werden. Bei der ein – oder beidseitigen geerbten oder geburtsbedingten Beugung eines Hufgelenks besteht besonders an den Vordergliedmaßen die Neigung zu einer zusätzlichen Beugung und Fehlentwicklung zum erworbenen Sehnenstelzhuf. Bereits mit dem Beginn des Wuchses besteht bei solchen Fohlen die Gefahr, dass es zu der zusätzlichen Fehlentwicklung kommt. Deshalb sollte bei allen angeborenen bzw. geburtsbedingten Formen der Rotationsstellungen des Hufes immer bereits im frühen Fohlenalter orthopädische Korrekturen am Huf versucht werden. Besonders, wenn von einer Fehlstellung weitere Beeinträchtigungen oder Schäden an der Gliedmaße erwartet werden können, empfiehlt es sich dringend jegliches weitere zögerliche Abwarten oder Experimentieren einzustellen und die Korrektur zeitnah chirurgisch herbeizuführen.
Der Sehnenstelzfuß darf nicht mit der sogenannten bärentatzigen Stellung verwechselt werden.
Während beim Bockhuf die Ausrichtung des Hufbeins zum Kronbein korrekt sein kann. Hat der Sehnenstelzfuß eine Flexion in der nach vorne gebrochenen Hufbein-Kronbeinachse aufgrund einer zu kurz ausgebildeten tiefen Beugesehne.
Die bärentatzige Stellung ist ist durch einen zu nachlässigen Fesselträger verursacht. Die bärentatzige Stellung tritt meist als beidseitige Fehlstellung an den Hintergliedmaßen auf, sie kann an jeder Gliedmaße unterschiedlich stark ausgeprägt sein.
Schlechte Aufzucht-Bedingungen begünstigen die Fehlentwicklung.
Bei dem erwachsenen Pferd kann es infolge einer Ruptur des Fesselträgers ebenfalls zu einer mit der Bärentatzigkeit vergleichbaren Fehlstellung des Fesselbeins kommen, erkennbar an einer Schwellung oder Faltenwurf der Gewebe auf der Vorderfläche des Fesselgelenks.
Weil der Schwerpunkt des Fesselkopf sich bei der Bärentatzigkeit auf den Huf sehr Trachtenlastigkeit auswirkt, kann eine steilere Ausrichtung des Hufes sinnvoll sein, oft mit dem großen Nachteil einer verschärfenden Flexion im Hufgelenk, die individuell unter größter Vorsicht zu beobachten ist.
Zunehmend werden erblich bedingte Bindegewebsschwächen im Fesselträger beobachtet, die ein sukzessives Absenken des Fesselkopfs oft schon in jungen Jahren zur Folge hat und was früher oder zur Euthanasie führt. Die Krankheit wird Degenerative Suspensory Ligament Desmitis (DSLD) genannt, ist jedoch sehr unerforscht und derzeit nicht heilbar.
Die bärentatzige Stellung kann im Extremfall als angeborene Fehlbildung sichtbar sein.
Anatomische Anordnung und Funktionen Der Huf ist in seinem vorderen Drittel mit dem knöchernen Hufbein ausgestattet, an dessen beidseitigen rückseitigen Ästen jeweils ein Hufknorpel ansetzt. Beide füllen die seitlichen hinteren Partien des Hufes aus und vervollständigen so die Bodenfläche der Pferdegliedmaße und somit deren Tragfläche innerhalb des Hufes. Die vertikal ausgerichteten Hufknorpel ragen bogenförmig zu etwa einem Drittel ihrer Höhe über den Hufsaum hinaus. Hufsohlenseitig sind die Hufknorpel im Gegensatz zu dem spitzkantigen Hufbeinknochen breitflächig und eben und füllen den Bereich zwischen der Hufseitenwand, der Trachtenendkante und der sogenannten Eckstrebe aus, die entsprechend ihrer Aufgabe und Funktion treffender als Hufknorpelwand bezeichnet werden sollte. Die leicht nach innen gebogenen und wie vertikale Schilde angeordneten Hufknorpel bestehen aus elastischem Faserknorpel die hauptsächlich mit dem benachbarten Hufbein durch mehrere straffe Bänder verbunden sind. Jeder Hufknorpel grenzt im Huf mit seiner Innenseite an das mittige Strahlpolster an, seine bodenseitig breitflächige Dicke nimmt im Verlauf nach oben fortschreitend ab. Sein schmaler Rand steigt steil nach oben an, fällt zum Ballen hin in einem runden Bogen ab und folgt anschließend der Ausrichtung der Trachte. Die elastische Beschaffenheit des Hufknorpels und seine elastische Verbindung mit dem Hufbein verleihen dem Huf gemeinsam mit dem Ballen-Strahlkomplex erst die variable Flexibilität, die fälschlicherweise als Hufmechanismus, statt als Hufmechanik bezeichnet wird. Neben ihren Aufgaben als lasttragende und den Huf elastizierende Elemente fungieren die Hufknorpel ebenfalls als den Blutfluss antreibende Einrichtungen, deren Funktionen mit den Pumpleistungen der menschlichen Wadenmuskulatur vergleichbar ist. Hierzu ist jeder Hufknorpel mit einem weitläufig verzweigten und nahezu eigenständig angelegten Venenkomplex ausgestattet, von denen jeder nahezu ausschließlich die Durchblutung der betreffenden Hufhälfte sicherstellt. Der Venenkomplex ist über die gesamte Breite des Hufknorpels ausgedehnt und durchquert ihn teilweise, sodass die Hufmechaniken die den Hufknorpel mobilisieren die Pumpleistung des Herzens unterstützen und so zum Rückfluss des venösen Blutes auch aus den herzfernen Kapillaren der Huflederhäute mit beitragen können. Das Verknöchern der Hufknorpel. Entsprechend ihrer Lokalisationen und zumal aufgrund ihrer hufmechanischen Beanspruchung sind die Hufknorpel ständigen Kräften ausgesetzt, die deren hohe Standfestigkeit und Resistenzfähigkeit erfordern. Werden diese Eigenschaften aufgrund von resistenzüberschreitenden Hufmechaniken überfordert, wie das besonders bei erworbenen Hufwandschrägen der Fall ist, stellt der Organismus die Standfestigkeit durch Verknöcherungsprozesse des zuvor elastischen Knorpelkörpers her. Entsprechend neigen mit einem hohen Anteil insbesondere die Hufknorpel der schrägeren und somit weniger standfesten Hufseitenwände zum Verknöchern, wie es bei den schrägeren Hufseitenwänden oder bei grundsätzlich körperferner abgesetzten Hufhälften der Fall ist. Auch infolge von verstärkten horizontalen Huf- und Hufwandmechaniken und/ oder bei vertikal auf ihn einwirkenden Drücken kann der Hufknorpel verknöchern. Die Gefahr besteht grundsätzlich bei der angeborenen oder erworbenen Steilwandigkeit der Hufe, besonders aber bei der halbseitig erworbenen Hufseitenwandschräge, mit deren seitlichem Abweichen parallel immer eine steilere und häufig taillierte Ausrichtung der Hufseitenwand und somit eine engere Hufhälfte einhergeht. Also kann ein Hufknorpel infolge übermäßiger Hufwand- und Hufhälftenmechaniken verknöchern, und andererseits aufgrund von vertikaler Enge. Da beide Hufveränderungen sich einander bedingen, können meist bei beiden Hufknorpeln Verknöcherungsbereiche nachgewiesen werden, die aber an der schrägeren und somit weniger standfesten Hufhälfte in nahezu 100 % der Fälle häufiger anzutreffen und stärker ausgeprägt sind.
Ein Verknöcherungsprozess des Hufknorpels beginnt meist am beteiligten Hufbeinast und an den hufbeinseitigen Ansatzstellen der Hufknorpelbänder. Die Verknöcherung stellt in solchen Fällen aus biophysikalischer Sicht eine Vergrößerung und somit Verstärkung der Ansatzstelle des elastischen Hufknorpels an den stabilen aber kleinflächigen Hufbeinast dar, zu der die biologische Baukunst gemäß dem biologischen Grundgesetz, dass nämlich Reize die Lebenstätigkeit anregen, animiert wird. Wegen diesen Umstandes werden Verknöcherungsbereiche die von diesem Bereich ausgehen auch am häufigsten nachgewiesen. Während die ein- oder beidseitige Hufknorpelverknöcherung oft schon rein äußerlich erkannt oder ertastet werden kann, sind für die exakte Darstellung ihres Ausmaßes Röntgenaufnahmen an der stehenden Gliedmaße und auf dem Oxspring-Keil als Mittel der Wahl anzusehen. Die Röntgen-Diagnostik ist besonders auch dann anzuraten, wenn auf Höhe des Kronbeins sichtbar oder tastbar harte Umfangsvermehrungen bestehen und zusätzlich eine Bewegungsstörung wie klammer Gang vorliegt. Zwar sind Röntgenaufnahmen für die Korrekturen der erworbenen Hufschiefen ohne Belang, so können sie besonders bei einer zusätzlichen und hufbedingt erworbenen Biegung der Knochensäule dennoch wertvolle Hinweise für die huforthopädischen Vorgehensweisen liefern. Die Röntgenaufnahme aus der Vorderansicht der stehenden Zehen-Gliedmaße ist deshalb besonders wertvoll. Andererseits kann die auf dem Röntgenbild sehr auffällige aber nicht bewegungsstörende Hufknorpelverknöcherung von einer weiteren Befundung ablenken, wodurch die pathologischen Verursacher einer Lahmheit oder Bewegungsstörung dann leicht übersehen werden können. Eine, für das Pferd unangenehme bis schmerzhafte, erworbene Enge zwischen dem knöchernen Hufbein und dem verknöcherten Hufknorpel kann besonders bei einer ein- oder beidseitig erworbenen Huf-Enge angenommen werden. Obwohl eine Verknöcherung als solche nicht rückgängig gemacht werden kann, so bestehen dennoch Aussichten den Verknöcherungsprozess durch orthopädisch wirkende Korrekturen der erworbenen Hufschiefen zu verlangsamen oder aufzuheben. Es geht deshalb bei einer zielführenden Behandlung bei verknöcherten Hufknorpeln um die bestmögliche Beseitigung der Umstände, die dazu führten und die sie voranschreiten lassen. Also müssen die hufphysikalischen Hintergründe für die erworbene Veränderung beachtet und deren Möglichkeiten genutzt werden. Dieses geschieht, wenn die Wiederherstellung des bestmöglichen, oder ein dem Gliedmaßen-Problem gerechter Hufzustand angestrebt wird. Einen Huf passend zum Bedarf des Pferdes anzupassen ist mit seiner Reparatur oder ihn mit huffremden Materialien zu bestücken ebenso wenig zu erreichen, wie durch Stoffe die dem Pferd verabreicht werden. Es bedarf vielmehr der huforthopädischen Kunst um den betroffenen Pferden dennoch zu einem möglichst unbehinderten Gebrauch ihrer Gliedmaßen zu verhelfen.