Erfolgreiche Barhufumstellung – Keine Frage des Alters!

Die Frage der Barhufumstellung stellt sich heute erfreulicherweise immer häufiger, wenn die Pferdebesitzer die Vorteile des Barhufes für das Pferd erkannt haben.

Oftmals stellt sie sich aber auch erst dann, wenn kein Eisen mehr hält, der Hufzustand sich permanent verschlechtert oder das Pferd sogar mit Eisen nicht mehr lahmfrei laufen kann.

Glücklicherweise wird das Horn ständig nachgebildet, so dass ein Pferd in jedem Alter und unabhängig von der Beschlagsdauer umgestellt werden kann!

Viel zu selbstverständlich wird ein Pferd oft durch Unwissenheit und mangels ausbleibender kompetenter Beratung mit Eisen beschlagen, sobald es in die Nutzung genommen wird.

Das ist schade und meist unnötig, da bei heutiger Nutzung ein Abriebschutz oftmals gar nicht notwendig ist und die Nachteile für die Pferdegesundheit gegenüber dem Abriebschutz überwiegen.

Eine Umstellung ist jedoch in jedem Alter möglich. Es sollte gerade bei älteren Pferden höchste Priorität auf gute und regelmäßige Hufbearbeitung gelegt werden, damit die Pferde, wenn auch vielleicht schon altersbedingte Knochenprobleme vorliegen, bestmögliche Lebensqualität durch bestmögliche Hufe haben. Ein „zu alt dafür“ gibt es nicht, denn auch im Alter wird das Horn ständig nachproduziert.

Viele Pferdebesitzer sind schon an einer Umstellung gescheitert. Dadurch sind sie entmutigt und sicher, dass ihr Pferd einfach nicht barhuf laufen kann.Lassen Sie sich nicht entmutigen, denn:

Gründe hierfür liegen meist einfach nur in Unkenntnis und Nichtbeachtung der für die Umstellung wichtigen Faktoren:

Sobald ein Huf mit Eisen beschlagen wird, fehlen ihm auf dem starren Material die Reize des Bodens. Das hat zur Folge, dass der Huf minderwertiges Horn produziert. Die Lederhäute werden nicht ausreichend angeregt, festeres und somit abriebstabiles Horn zu bilden. Der Huf passt sich demnach auch in Bezug auf die Hornqualität dem Untergrund auf dem er sich aufhält an. Nimmt man nun die Eisen ab und reitet im schlimmsten Fall munter wie gewohnt drauf los, so kann es schnell zu einem Ungleichgewicht zwischen Wachstum und Abrieb kommen. Hinzu kommt, dass das Horn der Hufwand durch die Nagellöcher perforiert und oft durch Rillen und Risse demarkiert ist. Dadurch kommt es oftmals zu Tragrandausbrüchen und zu erhöhtem Hornverlust. Das Pferd wird dadurch für eine gewisse Zeit auf Bereichen seiner Sohle laufen müssen. Da diese aber nicht für das Tragen ausgelegt ist, kann sie diese Aufgabe nur unter Schonung erfüllen, bis tragfähiges Tragrandhorn nachgewachsen ist.

Weiterhin formt der Boden-Untergrund mit seiner wechselnden Beschaffenheit ständig die Hornkapsel und gibt an diese Reize ab. Das unbeschlagene Pferd nimmt diese Reize auf, ertastet sensibel den Boden und kann behutsam mit seinen Gliedmaßen umgehen. Die Hufmechanik (= Gesamtheit der Verwindungsmöglichkeit des Hufes) ermöglicht der Hornkapsel Unebenheiten des Bodens auszugleichen und somit dämpfend zu wirken. Dies ist auch für alte Pferde, die oftmals unter Arthrosen leiden, ein wichtiges Kriterium: Solange der Huf auf dem starren Eisen fixiert ist, ist er dieser Mechanik nicht ausgesetzt, allerdings ist die durch die Starre des Eisens ausgeschaltete Hufmechanik eher gelenkschädigend, weil die Dämpfung fehlt. Das Pferd muss sich nach der Eisenabnahme unter Umständen erst einmal an das „neue“ Laufgefühl gewöhnen und wird zunächst übervorsichtig laufen. Dies wird dann in manchen Fällen als schmerzhafte Fühligkeit missverstanden, welche aber einen schonenden Umgang mit Knochen und Gelenken bedeutet. Hier liegt die Lösung für diese Phase in etwas Geduld und Rücksicht. Im Laufe der Umstellung wird sich das für das Barhufpferd individuelle „normale Ertasten“ einspielen.

Aufschluss über eine echte „schmerzhafte Fühligkeit“ kann die fachgerechtete Untersuchung mit der Hufuntersuchungszange geben.

So funktioniert es!

Die erfolgreiche Barhufumstellung:

Die Barhufumstellung wird dann gelingen, wenn sie individuell auf das Pferd ausgelegt ist. Dazu berät sie Ihre DIfHO®-Huforthopädin / Ihr DIfHO®-Huforthopäde gerne.

Wichtig ist es, vor Eisenabnahme folgende Faktoren zu berücksichtigen:

  • Wie ist die Hufsituation?
  • Liegen Erkrankungen vor?
  • Wie wird das Pferd gehalten?
  • Auf welchen Untergründen bewegt es sich täglich?
  • Wie wird das Pferd genutzt?
  • Welcher Umstellungszeitpunkt ist günstig?

Abhängig von der Ausgangssituation des Pferdes ist die Dauer der Umstellung und die ggf. erforderliche Dauer der Schonung: Sie kann relativ kurz sein oder auch länger dauern und mit vorübergehenden Problemen verbunden sein.

Wichtig ist hier eine gute Kommunikation und Zusammenarbeit zwischen dem Pferdebesitzer und der Huforthopädin / dem Huforthopäden. Gegebenenfalls  sind anfänglich kürzere Bearbeitungsintervalle sinnvoll. Der Huf wird dabei so bearbeitet, dass es zu möglichst geringen Hornverlusten kommt und dass sich der Huf in seiner Form rehabilitieren kann. Inwiefern das Pferd für eine gewisse Zeit aus der Nutzung genommen werden muss, bis stabiles Horn nachgewachsen ist, muss vor Ort von Fall zu Fall und bei jedem Termin entschieden werden.

Sicher ist, dass anfängliche Schwierigkeiten, wie das Wegbrechen von Tragrändern und instabiles Horn im Laufe der Zeit immer weniger werden, da tragfähiges Horn von oben her nachgebildet wird.

Oftmals entscheiden sich Pferdebesitzer erst zu einer Eisenabnahme, wenn es keine Alternativen mehr gibt. Schön wäre es, wenn es gar nicht dazu kommt, – jedoch:

Die Huforthopädie nach Jochen Biernat hat gezeigt, dass es mit dieser Barhufbearbeitung möglich ist, auch als hoffnungslos erachtete Fälle unabhängig vom Alter des Pferdes zu rehabilitieren und die Hufe in eine für das Pferd physiologische und somit für das Pferd angenehme Form zurück zu steuern. Durch Ihre Entscheidung zur Barhufumstellung wird Ihr Pferd sich mit unserer Hilfe einen widerstandsfähigen und gesunden Huf zurück erlaufen können.


Wie erkenne ich, ob ein Huf in Ordnung ist?

Hufe zeigen, wenn sie nicht oder noch nicht intakt sind. Dabei ist der Zustand des jeweiligen Hufes in seiner Komplexität als Gesamtheit zu sehen, um ein vollständiges Bild zur korrekten Bearbeitung nach erfolgter Ursachenerforschung zu bekommen, sollte ein DIFHO-Ausgebildeter Hufbearbeiter kontaktiert werden.

Sehen Sie nachfolgend eine Reihe von Symptomen, durch die der Huf deutlich zu verstehen gibt, dass er Hilfe benötigt. Das können sehr massive Veränderungen sein, wie z.B. ein Riss, Spalt oder Hornwandausbruch. Jedoch sind es auch die weniger auffälligen Erscheinungen, wie etwa ein unregelmäßiger Kronrand oder unruhig herunterwachsendes Wandhorn, die frühzeitig auf die Probleme des Hufes hinweisen.

Hierauf können Sie achten:

unphysiologischer Hufzustand
unphysiologischer Hufzustand

Eingerollte und untergeschobene Trachten:

Wenn Sie die Hufe Ihres Pferdes von der Seite betrachten können Sie erkennen, ob der Huf untergeschobene Trachten hat. Dabei geht die Parallelität der Trachtenendkante und der Zehenwand verloren.
Als erkennbare Folge können Risse und Spalten entstehen.

Ausbrüche am Tragrand
Ausbrüche am Tragrand

Hornwandausbrüche:

Oft wird die Ursache für Ausbrüche in schlechter Hornqualität gesucht. Dies kann zwar auch eine Rolle spielen, jedoch entstehen Ausbrüche meist dort, wo entweder durch einen unsymmetrischen Huf Belastungsspitzen entstehen, oder aber die Hornwand ihre Tragfähigkeit teilweise verloren hat. Der Verlust der Tragfähigkeit resultiert meist in erhöhter Unruhe oder Beweglichkeit der betroffenen Wandanteile was Ausbrüche deutlich begünstigen kann.

Risse und Falten in der Hornkapsel
Risse und Falten in der Hornkapsel

Risse, Faltenwurf, unregelmäßiger Kronsaum:

Ein unregelmäßiger Verlauf des Kronsaumes weist deutlich auf eine nicht gleichmäßige Belastungssituation des Hufes hin. Dies ist für das Pferd besonders unangenehm, da die entsprechenden Wandanteile die Strukturen oberhalb des Kronrandes quetschen können. Als sichtbare Folge davon können auch hier neben Rissen und Ausbrüchen auch massive Probleme an der Kronlederhaut entstehen.

Hornspalt in der Zehenmitte
Hornspalt in der Zehenmitte

Hornspalt:

Durch weghebelnde Wände wirkende Kräfte können zu Riss- und Spaltbildung führen. Diese können multiple Folgeprobleme verursachen. Durch Rissbildung gibt der Huf deutlich zu verstehen, dass er in Not ist.

Einblutungen in der Hornkapsel
Einblutungen in der Hornkapsel

Einblutungen:

Ungünstige Hufformen lassen Hebel- und Druckkräfte wirken. Diese können Quetschungen der Kronlederhaut und infolge Bluteinschluss bei der Hornproduktion verursachen.

oben anstauendes Horn
oben anstauendes Horn

Hochstauendes Horn im hinteren Hufbereich:

Es ist die Folge eines Missverhältnisses zwischen den Hornstrecken der Zehen- und Trachtenwand. Neben den Ausbrüchen führt dies auch hier wieder zu einem missgebildeten Kronsaum mit den bereits oben beschriebenen Folgen.


Braucht Ihr Pferd Hufeisen?

Eisenbeschlag bietet Abriebschutz, wenn der Abrieb durch die Nutzung des Pferdes höher ist als das sich ständig erneuernde nachwachsende Horn der Hornkapsel.

Unerlässlich war er sicher in Zeiten, als Pferde noch viele Stunden am Tag als Arbeitstiere eingesetzt wurden.

Erfreulicherweise erkennen viele Pferdebesitzer, dass ein Abriebschutz bei den allermeisten Pferden nicht mehr erforderlich ist und befreien Ihre Pferde von den Eisen, die gegenüber dem Vorteil des Abriebschutzes folgende Nachteile für die Pferdegesundheit bringen:

  • Hufmechanik / Beweglichkeit der Hornkapsel wird eingeschränkt
  • Anschmiegen des Hufes an den Boden wird verhindert und Stöße wirken direkt und mit mehr Härte auf Knochen und Gelenke
  • Das Pferd wird seines Tastsinnes beraubt und geht unvorsichtiger mit seiner Gliedmaße um
  • Durchblutung ist schlechter wegen geringerem Bodenkontakt / geringerer Hornkapselbeweglichkeit und der damit verbundenen geringeren Reize
  • Stellungsfehler werden provoziert (überproportionaler Abrieb im Trachtenbereich), wenn der Hufbearbeiter hier nicht gegensteuert, was wiederum mit radikalen Veränderungen bei jedem Beschlagswechsel verbunden ist
  • größere Verletzungsgefahr für Mensch und Artgenossen
  • erhöhte Rutschgefahr
  • natürlicher Feuchtigkeitstransport der Hornkapsel wird durch Nagelung gestört
  • Eindringen von Keimen wird begünstigt
  • ursächliche, langsame Korrekturen von Fehlstellungen und Fehlbelastungen sind nicht möglich, sondern nur abrupte Veränderungen beim jeweiligen Beschlagswechsel

Die Strahlfäule

Der Hornstrahl, seine Aufgaben und Erkrankungen

Der Hornstrahl hat zuvorderst schützende, stützende und dämpfende Eigenschaften. Er ist wie der restliche Huf ein Anhangsgebilde der Haut mit allen hauttypischen Charakteristiken.
Die Struktur, Konsistenz und die Funktionen des Strahlhorns unterscheiden sich aber wesentlich von den anderen Hufhornen. Es ist innerhalb seiner physiologischen Grenzen deutlich feuchtigkeitsliebender, und je nach Sättigungsgrad mit Feuchtigkeit aus dem physikalischen Umfeld von mehr oder weniger zähelastischer Konsistenz. Das Strahlhorn kann an seiner Außenschicht durch anhaltende Trockenheit auch sehr dicht werden und dann steinhart sein. Aufgrund der ständigen Versorgung mit körpereigener Feuchtigkeit aus der Strahllederhaut bleiben die Anbindung des Strahlhorns an seine Lederhaut und seine Basis dagegen stets mit dem physiologisch korrekten Anteil an Feuchtigkeit gesättigt und der Strahlkörper somit stets funktionstüchtig.

Entsprechend seiner Eigenschaften und Lokalisation soll der Strahl die Auftritthärte der Gliedmaße minimieren, und er ermöglicht als elastische Verbindung zwischen beiden Hufhälften zugleich den kontrollierten und gedämpften Ablauf ihrer interaktiven Mechaniken.
Gemeinsam mit dem oberhalb liegenden Strahlkissen ist der Strahl je nach Kondition und Volumen zusätzlich geeignet das Hufgelenk mit dem Strahlbein mehr oder weniger stützend zu unterpolstern und somit die Aufhängebänder des Strahlbeins zu entlasten.
Der taugliche Strahl kann demnach wichtige Aufgaben für den Erhalt des funktionierenden Hufes und für eine tüchtige Gliedmaße übernehmen. Die Erfüllung seiner Aufgaben ist aber wegen der bodennahen Positionierung und besonders aufgrund seiner Lage zwischen zwei ihn dominierenden Hufsegmenten die seine Ausdehnung und Form mechanisch beeinflussen können meist gefährdet.

Veränderungen und Erkrankungen

1. Stauende Feuchtigkeit.

Ein Gefahrenpotential für das Entstehen von Veränderungen die schließlich zu einer Reaktion mit Erkrankung des Hautanteils „Strahl“ führen stellen die unphysiologischen und somit ungünstigen auf seine Lederhaut einwirkenden mechanischen Einflüsse dar, wie sie mit sich verändernden Hufen nun mal zwangsläufig einhergehen. Hierbei handelt es sich um den Strahl seitlich einengende Drücke wie z.B. bei eingerollten Trachten-Komplexen, wenn bei Trachtenzwang der jeweils beteiligte Strahlanteil eingeengt wird.
Wird ein Huf ein- oder beidseitig enger werden die Strahlfurchen rein mechanisch bedingt zu engen und schwitzfeuchten Hautfalten. Betroffen als enge Hautfalte ist neben den seitlichen Strahlfurchen hauptsächlich die mittlere Strahlfurche, bei der die Schwitzfeuchte aufgrund der Enge zur sauerstoffarmen stauenden Feuchtigkeit wird, in welcher das nachwachsende Horn sich nicht festigt sondern zu einer hellen und penetrant übelriechend breiigen Schmiere wird. Die so vom Horn entblößten Anteile der Saum-Ballen-Strahllederhaut sind hypersensibel bei Berührungen und sicherlich insgesamt zumindest unangenehm für das Pferd.
Äußerlich erkennbar ist der Krankheitsherd in der mittleren Stahlfurche an der für das Krankheitsbild typischen und häufig bis hoch in die behaarte Haut und tief zwischen die Gewebe reichenden und krustig umrandeten Zusammenhangstrennung zwischen beiden Ballen.
Eher selten und als Nebenerscheinungen können sich mittig beider Ballen skurrile Hahnenkamm-Horngebilde entwickeln die dann in Aussehen und Form einem Holzspan oder Metallnagel ähneln können.

2.Anaerobe Bakterien

Mit der Anfangsveränderung der zu engen und feuchten Hautfalten sind zusätzlich sauerstoffarme und feuchtwarme Bereiche entstanden, die einer systematischen Säuberung schon wegen des Widerstandes der Pferde oft nur eingeschränkt zugänglich sind, und in die sich in der Folge anaerobe Darmbakterien einnisten können, die von überwiegend Pflanzen fressenden Tieren mit den Darminhalten ausgeschieden werden. Der Befall mit dem streng anaerob wachsenden Fusobacterium führt zur bakteriellen Zersetzung des Horns (Mazeration) in einen halbflüssigen Zustand und ist an einer ebenfalls übelriechenden, aber dunklen schwarzgrauen Flüssigkeit oder Schmiere erkennbar. Das mazerierte Horn wird von Tierärzten gerne als „schwarzer Eiter“ bezeichnet und antibiotisch -! behandelt. Von einer solchen bakteriellen Fäule ist grundsätzlich nur das Horn betroffen aber nicht die benachbarte Huflederhaut. Sie kann durch die Strahlhornfäule aber völlig vom Horn entblößt werden, was dann schmerzhaft wird und zu der Folgeerkrankung führen kann die als Strahlkrebs benannt ist, und schließlich zu der weiteren Komplikation der sogenannten chronischen Saumbandentzündung.
Die Strahlfurchen in ihrer Tiefe und überhaupt alle Bereiche der Bodenfläche des Hufes in denen halboffene und sauerstoffarme Bereiche bestehen sind immer für das Entstehen der Hornfäule gefährdet. Hierzu zählen neben unzureichend ausgeräumten Strahlfurchen besonders die eng gewordenen Hufe, bei denen durch ihre halbseitige Überbelastung die bodennahen Horne dem Druck gewichen sind, und z.B. das Strahlhorn seine zentrale Position und Ausrichtung eingebüßt hat und Strahlfurchen abdeckt oder einengt. Auch in den bodennah aufgerissenen bzw. breit gespreizten Hornblättchen und bei Rissen in der Hufwand- und Sohle besteht sauerstoffarmes feuchtwarmes Klima, welches infolge der erheblichen Kontaminationen aus dem Lebensraum der Pflanzenfresser ebenfalls besonders anfällig für Fäulnis ist.
Bei den Hornfäule verursachenden Bakterien handelt es sich um Darmbakterien welche unter Sauerstoff nicht existieren können. Folglich muss es sauerstoffarme Bereiche wie Enge oder pathologische Zusammenhangstrennungen bei den bodenseitigen Hufhornen geben, wenn Anzeichen für Fäulnissprozesse wie schwarze Schmiere, Geruch oder gar Schmerzhaftigkeit beim Reinigen der Strahlfurchen festgestellt werden, und schwarzgraue übelriechende flüssige bis halbflüssige Schmiere auftritt.
Mit der Anzahl der Pferde auf einen begrenzten Raum erhöht sich naturgemäß auch der bakterielle Druck zur Entstehung von Strahl- oder Hornfäule insgesamt, und umso mehr potenzielle Träger die Bakterien an bzw. in ihren Hufen herumtragen und im Habitat verbreiten umso mehr wird sich der bakterielle Druck dort erhöhen. Daraus folgt die Erkenntnis schon durch eine systematische mechanische Säuberung der Hufe bei allen vergemeinschafteten Artgenossen den bakteriellen Druck gering halten zu können.
Die Strahlfäule kann auch bei guter Hufhygiene und in einem von Exkrementen armen Habitat auftreten. Sie ist dann als pathologisches Symptom unregelmäßiger also pathologisch veränderter Hufe anzusehen, was bei regelmäßigen und zielführenden Hufbetreuungen aber größtenteils vermieden werden kann. Wenn allerdings Unerreichbarkeiten eine tiefe und gründliche Reinigung besonders des Stahls und seiner Furchen nicht zulassen muss der Allgemeinzustand der betroffenen Hufe neu bewertet und Schritte eingeleitet werden, die zur orthopädischen Wiederherstellung der korrekten Hufe geeignet sind.  

© Copyright Jochen Biernat 12/2018

Rotieren des Hufbeins

Fachbezogen relevante anatomische Einrichtungen und Funktionen.

Das Hufbein ist von dem Huf umgeben und somit der Endknochen der Pferdegliedmaße. Das Hufbein ist über den Hufbeinträger innen an die Hufwand angehängt und überträgt über diesen die Last der Knochensäule über den Huf auf den Boden.
Mittig an der Unterseite des Hufbeins setzt die tiefe Beugesehne an. Es handelt sich bei ihr um eine kräftige und um die längste Beugesehne der Gliedmaße. Sie verläuft an der Rückseite der Gliedmaße zunächst bodennah und nach der Passage über das Strahlbein und die Gleichbeine oberhalb des Karpalgelenks zu ihrer Muskulatur, die durch Kontraktion das Hufbein im Hufgelenk beugt und somit Bewegung erzeugt.
Der Gegenspieler der tiefen Beugesehne, die gemeinsame Strecksehne setzt vorne/oben am Strecksehnenansatz des Hufbeins an und verläuft von der Vorderseite des Röhrbeins nach oben/außen abweichend oberhalb des Karpalgelenks zu ihrem Streckmuskel. Die Aufgabe der gemeinsamen Strecksehne ist u.a. das Strecken und nach vorne Führen der, für die Bewegung, gebeugten Gliedmaße. Diesem geringeren Leistungsbedarf entsprechend handelt es sich bei ihr zunächst um eine Sehne mit geringerem Durchmesser und mit weniger Zugvermögen als die tiefe Beugesehne.
Ab Höhe des Kronbeins verbinden sich allerdings die Endschenkel des Fesselträgers mit dem Endschenkel der nun zügig breiter werdenden gemeinsamen Strecksehne. Die jetzt um etwa das vierfach breitere gemeinsame Strecksehne übernimmt ab der Vereinigungsstelle mit beiden Unterstützungsschenkeln des Fesselträgers die von ihm getragene Last. Die gemeinsame Strecksehne bewegt somit nicht nur die Gliedmaße während der Hangbeinphase, sondern trägt während der Stützbeinphase das Körpergewicht und die Fessel in der vorgesehen Schräge.
Diese nicht durch einen Muskel, sondern passiv durch seine Aufhängung an dem Hufbein generierte Tragekraft des Fesselträgers auf die gemeinsame Strecksehne und über diese auf den knöchernen Strecksehnenansatz des Hufbeins, stellt deshalb bei Belastung der Gliedmaße den kräftemäßigen Ausgleich zur Zugkraft der tiefen Beugesehne dar.
Es handelt sich bei ihr somit um eine physikalisch kluge anatomische Einrichtung, welche bei der Gliedmaßen-Belastung zuverlässig die drehende Verlagerung des Hufbeins in seinem Huf verhindert, und somit eine Rotation des Hufbeins infolge unangepasster Sehnentätigkeiten zu seiner steileren Ausrichtung im Huf ausschließt.
Besonders der Kräfteausgleich zwischen der tiefen Beugesehne und der Gemeinsamkeit von Strecksehne und Fesselträger wird bei den Befürwortern einer Rotation des Hufbeins bei der Hufrehe nicht bedacht. Schon dieser Umstand führt besonders bei dieser oder bei ähnlichen Veränderungen am Endglied der Knochenachse zu den häufigsten Fehleinschätzungen dessen, was zur Veränderung führte. (siehe auch Hufrehe u.…)


Das Rotieren des Hufbeins und Hufes zum erworbenen Sehnenstelzhuf

Zur Rotation eines Hufbeins zum Sehnenstelzhuf kommt es, wenn an einer Fohlengliedmaße das Längenwachstum der tiefen Beugesehne mit der Zunahme der Knochenlänge nicht standhält.
Infolge der ständig zunehmenden Länge der Gliedmaßen-Knochen der Fohlen und bei gleichzeitig stagnierendem Längenwuchs der tiefen Beugesehne wird diese unter zunehmende Spannung gebracht, welche sich auf die Ansatzstelle der tiefen Beugesehne an der Unterseite des Hufbein auswirkt und es so zur Drehung in eine von der Knochenachse abweichende steilere Stellung bringt.

Es handelt sich bei dem „Fohlenstelzhuf“ daher nicht um eine krankheitsbedingte Veränderung, sondern um eine durch den natürlichen Wuchs der Knochen bedingte mechanische Beugung des Hufgelenks. Diese Beugung des Hufbeins erfolgt nicht als Rotation innerhalb des Hufes, sondern der Huf folgt der Drehung des Hufbeins.
Der Beginn der Veränderung kann deshalb schon bei äußerer Betrachtung erkannt und dann erfolgreich korrigierend eingegriffen werden, wenn die notwendigen Korrekturprozesse unmittelbar bei sichtbar werden der nicht korrekten Huffesselachse einsetzen. Dennoch stellt der erworbene Sehnenstelzhuf, der mit einer Häufigkeit von etwa 80% an der rechten Vordergliedmaße anzutreffen ist, die bei Weitem häufigste erworbene Fehlstellung bei Pferden dar.
Die Ursachen können genetisch prädestinierende sein wie etwa bei grundsätzlich steileren Schultergliedmaßen oder langen Fesseln, aber ebenfalls als Folgen eines herbeigeführten schnellen Wuchses und bei zu mastigem Futterzustand im Fohlenalter.
Neben prädestinierenden und pathologischen Umständen können auch multiple physikalisch wirkende Vorgänge für eine solche ungünstige Umgestaltung der Endgliedmaße verantwortlich sein. Hierzu zählen nicht hufgerechte Lebensbedingungen wie bei grundsätzlich weichen und nachgiebigen Böden, in welche die Hufzehen ohne konkreten Bodengegendruck einsinken können, sowie als Folge einer allgemeinen Bewegungsarmut bei überwiegender Boxenhaltung der Fohlen. Ferner aufgrund eines verletzungsbedingten oder gewohnheitsmäßig und systematisch eingenommenen ungleichen Gliedmaßen Gebrauchs, und grundsätzlich als Folge der Vernachlässigung des Erhalts des korrekten Hufes an einer ungebeugten und daher korrekten Huffesselachse.
Eine weitere und nicht zu unterschätzende Ursache stellt das vorzeitige Entfernen des sogenannten Fohlenschnabels schon am Geburts-Huf dar, der sich im Anschluss an die sogenannte Fohlenrinne bildet und der bei dem jetzt unter physikalischem Einfluss nachwachsenden Huf die Zehenwand nach vorne verlängert. Die Fohlenrinne entsteht im Moment der Lastübernahme der neu geborenen Hufe, sie demarkiert die Hufwand parallel zur Hufkrone, und somit ebenfalls die Wandmechanik, aber besonders die der Zehenwand zu einem „Althuf“ und „Neuhuf“.
Mit zunehmenden Alter des Fohlens und in dem Maße wie die Fohlenrinne nach unten Richtung Tragrand befördert wird, driftet die geschnabelte Zehenwand unterhalb der demarkierenden Rille weiter nach vorne ab. Dieses führt zur zunehmenden Verlängerung der unteren Hufzehenwand, was zum Erhalt eines hohen Kraftaufwands besonders während der Abhufphase führt und somit zur kontinuierlich anhaltenden wuchsanregenden Spannung auf die tiefe Beugesehne. Ein Fohlenschnabel erhält so während der ersten Lebensmonate die erforderliche, weil wuchsanregenden Spannung der tiefen Beugesehne und soll zwingend erhalten bleiben.

Die häufig bereits in den ersten Lebenswochen einsetzende Ungleichheit zwischen dem Knochenwuchs und der Längenzunahme des Zehenbeugers kann theoretisch anhalten bis das Pferd seine Endgröße erreicht hat. Da Pferde aber besonders in den ersten Lebensmonaten zügig wachsen besteht auch hier die größere Gefahr, dass es zu der erworbenen Veränderung kommen kann.
Einmal begonnen nimmt sie in dem Maße und so lange zu, wie die für das Längenwachstum der tiefen Beugesehne erforderlichen Wachstumsreize reduziert sind, welche ja erst durch die Zugbelastung auf die Beugeeinrichtungen und infolge derer Tätigkeiten generiert und durch sie bestimmt werden. Allerdings fehlen bei einer im Vergleich weniger beanspruchten Gliedmaße häufig diese Wachstumsreize und zwar völlig unabhängig von der Ursache für die Belastungs- und Bewegungsstörung.

Belastungsreize, die das Längenwachstum der tiefen Beugesehne bestimmen, können aber auch ohne jeglichen pathologischen oder genetischen Hintergrund, z.B. durch im Verhältnis zu lang belassene Trachtenkomplexe und/oder wegen Überständen des Ballen-Strahlhorns dann reduziert sein, wenn dadurch der Huf in seinem Gelenk gebeugt wurde. Auch aufgrund einer Hufgelenk-Beugung infolge eines Hornüberstandes an der hinteren Hufpartie geht eine Verringerung der Zugbelastung auf den Zehenbeuger einher, dessen reduzierter oder stagnierender Längenwuchs in dem Fall zunächst ohne offensichtlich beschwerte oder gestörte Bewegungsmuster verläuft.

Zur Vermeidung einer meist sehr zügig voranschreitenden Rotation des Hufes kommt der ständigen Beobachtung des Gliedmaßen Gebrauchs der Fohlen eine hohe Bedeutung zu. Schon die Angewohnheit bei der Futteraufnahme vom Boden oder säugend ständig die gleiche Gliedmaße zu entlasten kann zu deren Fehlentwicklung mit beitragen. Der Huf an einer systematisch weniger arbeitenden Gliedmaße und seine Ausrichtung an der Fesselachse sollte deshalb besonders während der ersten Lebensmonate sehr genau beobachtet werden.
Zu beobachten sind beide Vorderbeine insbesondere im Stand. Hierbei sollten beide Vordergliedmaßen senkrecht stehen um die Ausrichtung jedes Hufes zu seinem Fesselstand beurteilen zu können. Ferner ist zu beobachten ob das Fohlen durch nach vorne stellen eine senkrechte oder rückwärtige Stellung systematisch mit der gleichen Gliedmaße vermeidet.
Bei der bewegten Gliedmaße können die Aktionen beider Hufgelenke miteinander verglichen werden, wobei besonders deren Beugewege auf ihre Weitläufigkeit beobachtet werden sollten.
Der erworbene Sehnenstelzhuf darf nicht mit dem steileren Huf bei einer steileren Fessel einer Gliedmaße verwechselt werden, denn ausschlaggebend für eine korrekte Huffesselachse ist stets die nicht gebeugte Ausrichtung des Hufes an die Fessel.

Andere Hufbein- und Hufrotationen

Zu einer erworbenen Beugung des Hufgelenkes kann es dann ebenfalls bei erwachsenen Pferden kommen, wenn die tiefe Beugesehne dauerhaft und über einen für die biologischen Zellerneuerungsprozesse relevanten Zeitrahmen hinweg ständig geschont wird, und die tiefe Beugesehne sich infolge dessen zurückbildet.
Da die erforderliche Stand-Stabilität einer Gliedmaße auch wesentlich durch den vom Hufzustand abhängigen physikalischen Gegendruck bestimmt wird, ist ihre stabile Lastaufnahme und die Verweildauer unter Belastung ebenso wesentlich von den äußeren Maßen des Hufes abhängig.
Die Gefahr einer sich entwickelnden Beugung des Hufgelenks besteht deshalb besonders dann, wenn die Gliedmaße nicht durch einen funktionsfähigen, die Hufknochenachse im Stand stabilisierenden Huf unterstützt wird, sondern infolge der mangelhaften Funktion das Überköten das Hufes und die Beugung der Zehengelenke zulässt.
Bei einem Huf mit im Verhältnis zu niedriger, zu kurzer bzw. entfernter Zehenwand und/oder infolge zu hohen Trachten besteht diese Neigung zur vorzeitigen mechanischen Beugung der Zehengelenke bereits während der Stützbeinphase. Hierdurch fehlen die physikalischen Vorbedingungen für ein standfestes Belasten des Hufes und der Knochenachse, und somit ebenfalls die physiologische Spannung insbesondere der tiefen Beugesehne die deren Rückbildung verhindert kann.

Sämtliche benannten und über eine etwa Jahresfrist hinaus anhaltenden Umstände können zur erworbenen Beugung des Hufgelenks führen, die einmal begonnen, konventionell durch Niederschneiden der Trachten oder durch physische Gewaltanwendungen gegen die tiefe Beugesehne, und somit gegen das Strahlbein mit der Hufrolle wie z.B. durch Sonderbeschläge meist nicht mehr rückgängig gemacht werden können, sondern dann lediglich durch chirurgische Eingriffe.

Die Gefahr, dass es zu einer solchen stets folgenreichen Fehlentwicklung kommt, besteht immer bei einer nicht intakten oder nicht oder nur teilweise vorhandenen Hufzehenwand, bei zu lang belassenen Trachtenwänden und besonders bei gleichzeitigem Schonen der Gliedmaße. Wenn man sich daher mit solchen Problematiken zu beschäftigen hat, kommt der zusätzlich drohenden und folgenreich entstehenden Fehlentwicklung besondere Beachtung zu.

Angeborene Rotationsstellungen von Hufbein und Huf.

Hierzu zählt zumal der Bockhuf, der bei beidseitig angeborenem Vorkommen vermutlich auf eine erbliche Prädisposition hinweist. Diese meist an den Hintergliedmaßen anzutreffende Veränderung an der Huffesselachse ist bei dem ausgewachsenen Pferd keiner konventionell korrigierenden Therapie zugänglich, sie stellt bei einem Winkel von bis zu 60 Grad bei der Zehenwand zur Hufsohle aber keine wesentliche Einschränkung der Gebrauchsfähigkeit der betroffenen Gliedmaßen dar. Weil die Neigung zum Bockhuf in einer Zuchtlinie aber durchaus zu variablen Beugungen des Hufgelenks bei anderen Nachkommen führen kann, sollte diese Zuchtlinie von der weiteren Zucht ausgeschlossen werden. Die Wahrscheinlichkeit, dass Bockhufe vererbt werden ist deutlich höher, wenn sie in den Zuchtlinien beider Elterntiere vorkommen.
Wenn bei angeborenen Bockhufen diätetische Ursachen wie infolge einer Krankheit oder aufgrund von Mängeln an Futterinhaltstoffen während der Trächtigkeit angenommen werden können, sollten die bei dem Fohlen frühzeitig ermittelt und problemorientiert ausgeglichen werden.
Bei der ein – oder beidseitigen geerbten oder geburtsbedingten Beugung eines Hufgelenks besteht besonders an den Vordergliedmaßen die Neigung zu einer zusätzlichen Beugung und Fehlentwicklung zum erworbenen Sehnenstelzhuf. Bereits mit dem Beginn des Wuchses besteht bei solchen Fohlen die Gefahr, dass es zu der zusätzlichen Fehlentwicklung kommt. Deshalb sollte bei allen angeborenen bzw. geburtsbedingten Formen der Rotationsstellungen des Hufes immer bereits im frühen Fohlenalter orthopädische Korrekturen am Huf versucht werden. Besonders, wenn von einer Fehlstellung weitere Beeinträchtigungen oder Schäden an der Gliedmaße erwartet werden können, empfiehlt es sich dringend jegliches weitere zögerliche Abwarten oder Experimentieren einzustellen und die Korrektur zeitnah chirurgisch herbeizuführen.

Der Bockhuf darf nicht mit der sogenannten bärentatzigen Stellung verwechselt werden. Hierbei ist die Ausrichtung des Hufbeins zum Kronbein korrekt, während die Kronbein-Fesselbeinachse infolge einer abweichenden zu flachen Stellung des Fesselbeins im Krongelenk gebrochen ist. Die bärentatzige Stellung tritt meist als beidseitige angeborene Fehlstellung an den Hintergliedmaßen auf, sie kann an jeder Gliedmaße unterschiedlich stark ausgeprägt sein. Bei dem erwachsenen Pferd kann es infolge einer Ruptur des Fesselträgers ebenfalls zu einer mit der Bärentatzigkeit vergleichbaren Fehlstellung des Fesselbeins kommen, erkennbar an einer Schwellung oder Faltenwurf der Gewebe auf der Vorderfläche des Fesselgelenks.
Weil eine Korrektur am Huf keinerlei Einfluss auf die Winkelung des Fesselbeins hat, sollte auf jegliche weiteren Korrekturversuche am Huf verzichtet werden, die eine Winkelung von weniger als 45 Grad zwischen der Hufsohle und der Hufzehenwand zum Ziel haben.

© Jochen Biernat 2/18

Verknöcherung der Hufknorpel

Anatomische Anordnung und Funktionen
Der Huf ist in seinem vorderen Drittel mit dem knöchernen Hufbein ausgestattet, an dessen beidseitigen rückseitigen Ästen jeweils ein Hufknorpel ansetzt. Beide füllen die seitlichen hinteren Partien des Hufes aus und vervollständigen so die Bodenfläche der Pferdegliedmaße und somit deren Tragfläche innerhalb des Hufes.
Die vertikal ausgerichteten Hufknorpel ragen bogenförmig zu etwa einem Drittel ihrer Höhe über den Hufsaum hinaus. Hufsohlenseitig sind die Hufknorpel im Gegensatz zu dem spitzkantigen Hufbeinknochen breitflächig und eben und füllen den Bereich zwischen der Hufseitenwand, der Trachtenendkante und der sogenannten Eckstrebe aus, die entsprechend ihrer Aufgabe und Funktion treffender als Hufknorpelwand bezeichnet werden sollte.
Die leicht nach innen gebogenen und wie vertikale Schilde angeordneten Hufknorpel bestehen aus elastischem Faserknorpel die hauptsächlich mit dem benachbarten Hufbein durch mehrere straffe Bänder verbunden sind. Jeder Hufknorpel grenzt im Huf mit seiner Innenseite an das mittige Strahlpolster an, seine bodenseitig breitflächige Dicke nimmt im Verlauf nach oben fortschreitend ab. Sein schmaler Rand steigt steil nach oben an, fällt zum Ballen hin in einem runden Bogen ab und folgt anschließend der Ausrichtung der Trachte.
Die elastische Beschaffenheit des Hufknorpels und seine elastische Verbindung mit dem Hufbein verleihen dem Huf gemeinsam mit dem Ballen-Strahlkomplex erst die variable Flexibilität, die fälschlicherweise als Hufmechanismus, statt als Hufmechanik bezeichnet wird.
Neben ihren Aufgaben als lasttragende und den Huf elastizierende Elemente fungieren die Hufknorpel ebenfalls als den Blutfluss antreibende Einrichtungen, deren Funktionen mit den Pumpleistungen der menschlichen Wadenmuskulatur vergleichbar ist.
Hierzu ist jeder Hufknorpel mit einem weitläufig verzweigten und nahezu eigenständig angelegten Venenkomplex ausgestattet, von denen jeder nahezu ausschließlich die Durchblutung der betreffenden Hufhälfte sicherstellt. Der Venenkomplex ist über die gesamte Breite des Hufknorpels ausgedehnt und durchquert ihn teilweise, sodass die Hufmechaniken die den Hufknorpel mobilisieren die Pumpleistung des Herzens unterstützen und so zum Rückfluss des venösen Blutes auch aus den herzfernen Kapillaren der Huflederhäute mit beitragen können.
Das Verknöchern der Hufknorpel.
Entsprechend ihrer Lokalisationen und zumal aufgrund ihrer hufmechanischen Beanspruchung sind die Hufknorpel ständigen Kräften ausgesetzt, die deren hohe Standfestigkeit und Resistenzfähigkeit erfordern. Werden diese Eigenschaften aufgrund von resistenzüberschreitenden Hufmechaniken überfordert, wie das besonders bei erworbenen Hufwandschrägen der Fall ist, stellt der Organismus die Standfestigkeit durch Verknöcherungsprozesse des zuvor elastischen Knorpelkörpers her.
Entsprechend neigen mit einem hohen Anteil insbesondere die Hufknorpel der schrägeren und somit weniger standfesten Hufseitenwände zum Verknöchern, wie es bei den schrägeren Hufseitenwänden oder bei grundsätzlich körperferner abgesetzten Hufhälften der Fall ist.
Auch infolge von verstärkten horizontalen Huf- und Hufwandmechaniken und/ oder bei vertikal auf ihn einwirkenden Drücken kann der Hufknorpel verknöchern. Die Gefahr besteht grundsätzlich bei der angeborenen oder erworbenen Steilwandigkeit der Hufe, besonders aber bei der halbseitig erworbenen Hufseitenwandschräge, mit deren seitlichem Abweichen parallel immer eine steilere und häufig taillierte Ausrichtung der Hufseitenwand und somit eine engere Hufhälfte einhergeht.
Also kann ein Hufknorpel infolge übermäßiger Hufwand- und Hufhälftenmechaniken verknöchern, und andererseits aufgrund von vertikaler Enge. Da beide Hufveränderungen sich einander bedingen, können meist bei beiden Hufknorpeln Verknöcherungsbereiche nachgewiesen werden, die aber an der schrägeren und somit weniger standfesten Hufhälfte in nahezu 100 % der Fälle häufiger anzutreffen und stärker ausgeprägt sind.

Ein Verknöcherungsprozess des Hufknorpels beginnt meist am beteiligten Hufbeinast und an den hufbeinseitigen Ansatzstellen der Hufknorpelbänder. Die Verknöcherung stellt in solchen Fällen aus biophysikalischer Sicht eine Vergrößerung und somit Verstärkung der Ansatzstelle des elastischen Hufknorpels an den stabilen aber kleinflächigen Hufbeinast dar, zu der die biologische Baukunst gemäß dem biologischen Grundgesetz, dass nämlich Reize die Lebenstätigkeit anregen, animiert wird. Wegen diesen Umstandes werden Verknöcherungsbereiche die von diesem Bereich ausgehen auch am häufigsten nachgewiesen.
Während die ein- oder beidseitige Hufknorpelverknöcherung oft schon rein äußerlich erkannt oder ertastet werden kann, sind für die exakte Darstellung ihres Ausmaßes Röntgenaufnahmen an der stehenden Gliedmaße und auf dem Oxspring-Keil als Mittel der Wahl anzusehen. Die Röntgen-Diagnostik ist besonders auch dann anzuraten, wenn auf Höhe des Kronbeins sichtbar oder tastbar harte Umfangsvermehrungen bestehen und zusätzlich eine Bewegungsstörung wie klammer Gang vorliegt. Zwar sind Röntgenaufnahmen für die Korrekturen der erworbenen Hufschiefen ohne Belang, so können sie besonders bei einer zusätzlichen und hufbedingt erworbenen Biegung der Knochensäule dennoch wertvolle Hinweise für die huforthopädischen Vorgehensweisen liefern.
Die Röntgenaufnahme aus der Vorderansicht der stehenden Zehen-Gliedmaße ist deshalb besonders wertvoll. Andererseits kann die auf dem Röntgenbild sehr auffällige aber nicht bewegungsstörende Hufknorpelverknöcherung von einer weiteren Befundung ablenken, wodurch die pathologischen Verursacher einer Lahmheit oder Bewegungsstörung dann leicht übersehen werden können.
Eine, für das Pferd unangenehme bis schmerzhafte, erworbene Enge zwischen dem knöchernen Hufbein und dem verknöcherten Hufknorpel kann besonders bei einer ein- oder beidseitig erworbenen Huf-Enge angenommen werden. Obwohl eine Verknöcherung als solche nicht rückgängig gemacht werden kann, so bestehen dennoch Aussichten den Verknöcherungsprozess durch orthopädisch wirkende Korrekturen der erworbenen Hufschiefen zu verlangsamen oder aufzuheben.
Es geht deshalb bei einer zielführenden Behandlung bei verknöcherten Hufknorpeln um die bestmögliche Beseitigung der Umstände, die dazu führten und die sie voranschreiten lassen. Also müssen die hufphysikalischen Hintergründe für die erworbene Veränderung beachtet und deren Möglichkeiten genutzt werden. Dieses geschieht, wenn die Wiederherstellung des bestmöglichen, oder ein dem Gliedmaßen-Problem gerechter Hufzustand angestrebt wird. Einen Huf passend zum Bedarf des Pferdes anzupassen ist mit seiner Reparatur oder ihn mit huffremden Materialien zu bestücken ebenso wenig zu erreichen, wie durch Stoffe die dem Pferd verabreicht werden. Es bedarf vielmehr der huforthopädischen Kunst um den betroffenen Pferden dennoch zu einem möglichst unbehinderten Gebrauch ihrer Gliedmaßen zu verhelfen.

Copyright Jochen Biernat 02/18

Von Hornrillen, Rissen und Spalten.

Definition der Hornrillen, Hornrisse-  und Spalten in der Hufwand.

  • Hornrillen sind oberflächliche Defekte in der Hufwand und verlaufen entlang der Hornröhrchen in vertikaler Richtung.
  • Hornrisse entstehen aus Hornrillen und stellen vertikale Zusammenhangstrennungen zwischen und entlang der Hornröhrchen an der Außenfläche der Hufwand dar.
  • Bei der Hornspalte liegt eine die Wand durchdringende und sie komplett teilende Zusammenhangstrennung in vertikaler Ausrichtung vor. Eine Hornspalte entsteht aus einem Hornriss und entwickelt sich entlang der Hornröhrchen. Eine Horn-Spalte kann sich vom Tragrand ausgehend öffnen und zum Auseinanderdriften der voneinander getrennten Hufwandsegmente führen.

Dass Risse im Huf nicht nur einen oberflächigen Fehler darstellen, sondern auf ein orthopädisches Problem hinweisen, ist allgemein meist nicht bekannt. Deshalb werden Hornrisse häufig unterschätzt und dann versucht sie kosmetisch zu behandeln. Oder sie werden als Problem wahrgenommen und man folgt den allgemeinen Meinungen aus dem reiterlichen Umfeld und den Empfehlungen oder Anordnungen aus den anderen Fachbereichen. Von denen wird meist die Meinung vertreten und bis heutzutage verbreitet, dass die mit den Hornröhrchen verlaufenden, sogenannten Windrisse in der Hufwand angeblich als Folgen zu großer Nässe oder Trockenheit des Hufes, und/ oder als Folge seiner Mangelernährung auftreten können.Besonders eine angenommene Mangel- oder Fehlernährung veranlasst dann oft zu angeblich zielgerichtet wirkenden Zusatzstoffen bei der Ernährung des Pferdes zu greifen, und, wenn dieses keinen Erfolg bringt, auch zu seiner Medikamentierung.

Diese Ansichten und die darauf basierenden Maßnahmen berücksichtigen allerdings nicht den Unterschied zwischen einer vom Stoffwechsel ausgelösten Anomalie des Hufhorns, wie beispielsweise bei den sogenannten Futterringen und der Hufrehe und einem Defekt, der an dem bereits gebildeten Wandhorn erst entstanden ist.Weil hier nicht unterschieden wird, kommt es unter anderem zwangsläufig z.B. zu den erwähnten unnötigen Eingriffen in den Stoffwechsel der Pferde, welche allerdings keinerlei verhindernden Einfluss auf die Rissbildungen haben können. Diese sind aber durchaus geeignet die Ernährung der darauf sehr reaktiven Lederhautzellen der Hufe zum Nachteil der Hornqualität mehr oder weniger nachhaltig zu stören.

Häufig empfohlen und weniger potentiell schädlich aber völlig unwirksam erweisen sich die äußerlich auf die Hufe aufzutragenden Huffette oder Salben oder Produkte gleich welcher Inhaltstoffe, mit deren Wirkungsweisen man, folgt man den Ankündigungen der Hersteller, angeblich erfolgreich gegen Risse in den Hufwänden vorgehen oder sie verhindern können soll.Weil aber einmal produziertes Horn, aus toten und dabei verhornten Zellen der Huflederhaut besteht, ist es auch keinerlei Therapie oder Behandlung oder Versuchen zu seiner Verbesserung oder Ernährung zugänglich. Aufgrund des orthopädischen Hintergrundes solcher Horndefekte beschränkt sich der positive Effekt auf das Horn nur auf die Kosmetik.

Bei der Diskussion, ob gerissenes Horn zu trocken ist, oder zu viel Feuchtigkeit aus der Umwelt aufgenommen hat, werden die Beschaffenheit und Aufbau des Horns und die hierdurch speziellen Funktionen des Wandhorns nicht berücksichtigt.Tatsächlich ist das innere Wandhorn grobzellig, geschmeidig und hydrophil (Wasser anziehend). Den korrekten Feuchtigkeitsgehalt dieses körpernahen Wandhorns sichert die vom Blutsstrom an die Huflederhäute abgegebene körpereigene Feuchtigkeit. Sie stellt so die geschmeidige Anbindung der Hornwand an ihre Wandlederhaut sicher. Von innen nach außen zunehmend ist das Wandhorn enger werdend strukturiert und außen so dicht – und somit auch erst tragfähig -, dass weder die körpereigene Feuchtigkeit nach außen durchdringen kann – Hufe schwitzen nicht aus ihren Wänden – noch von außen Feuchtigkeit aufgenommen werden kann.

Hufe schwitzen sehr wohl aus ihren Hufsohlen, Strahl und Tragrändern. Deshalb kann deren Horn aufgrund ihrer Kapillarität Feuchtigkeit auch äußerlich aufnehmen, und zwar in dem Maße wie es der Gegendruck der körpereigenen Feuchtigkeit zulässt. Dieser und die Feuchtigkeitssperre bestimmen das Maß der Aufnahmefähigkeit des Horns bei äußerer Nässe, sichern die angepasste Hornflexibilität bei Trockenheit, und erhalten somit in jeder Situation die Trage- und Schutzfunktionen der jeweiligen Hornzellen und somit die der Hufe. Die Art und Weise des Funktionierens des Horns der Hufwand macht deshalb auch ihr Präparieren mit hydrophoben (Wasser abstoßenden) Mitteln ebenso nutzlos wie Wassertherapien. Jegliche Versuche die Qualität und Beschaffenheit des Hufhorns beeinflussen zu können, werden das Problem der physikalisch herbeigeführten fehlerhaften Hufform nicht lösen und somit nicht das hierdurch ausgelöste Hornproblem. 

Mittel der Wahl bei Hornrissen waren und sind bis heute die oft unterschiedlichen Ausführungen von Hufbeschlägen oder Klebe- bzw. anschnallbaren Hufschuhvarianten. Mit denen aber ebenfalls nicht die orthopädische Ursache zur Rissbildung beseitigt wird, die aber durch die versuchte Verdeckung der Symptome das ursächliche Problem eher verschlimmern können.Gleiches gilt für die unterschiedlichen Techniken Hornrisse- und besonders Spalten mittels Kleber oder Spachtel zu verschließen, oder was ebenfalls häufig versucht wird, sie durch angeklebte oder angeschraubte Laschen aus Stahl oder Kunststoff, bzw. mittels Spangen zu stabilisieren. Auch bei deren Anbringen gilt das Behandlungsziel dem Prinzip der Symptom-Verdeckung.

Wie kommt es zur Rissbildung in der Hufwand?

Das Konstrukt Hufwand, bestehend aus kräftigen aber elastischen Hornröhrchen und deren Verbundhorn, ist in einer von der Genetik vorbestimmten äußeren Form vorgesehen.
Demnach muss mit jeglichen erworbenen Veränderungen an der ursprünglich vorgesehenen Hufform bereits die Bildung von Rillen zwischen ihren Hornröhrchen einhergehen. Die sogenannten Windrisse weisen daher immer auf den Verlust der ursprünglich korrekten äußeren Huf-Form hin. So entstandene Hornrillen werden verstärkt durch mechanische Einwirkungen, welche ihren Ursprung bei lokalen Formveränderungen der Hufwand haben und die, infolge des dadurch generierten lokalen Wechsels der ständig stattfindenden Hufwand-Mechaniken, deren konzertiertes Zusammenwirken in ihrer Gänze nicht mehr zulassen.

Die Folgen sind mechanisch bedingte Beeinträchtigungen der Horn-Konstrukte am Ort des Zusammentreffens der unterschiedlichen Hufwandmechaniken, einhergehend mit zusätzlichen Stressreaktionen des beteiligten Hornröhrchen-Verbundhorns entlang und parallel der Hornröhrchen, was zunächst zu Rillen und schließlich zur Rissbildung zwischen ihnen führen kann. Die huforthopädische Lehre unterscheidet deshalb zwischen Rillen infolge von Formveränderungen der Hufwand, und solchen die durch Hufmechaniken vor Ort zu mechanisch bewegten Rissen wurden. Solche von der Hufwandmechanik beeinflussten Risse werden entsprechend der Bedeutung ihrer mechanischen Aktivierung, als die Hufwand demarkierende Risse bewertet.

Aus zunächst oberflächlichen aber meist bereits demarkierenden Rissen können infolge des mechanischen Einwirkens auf die, durch den Riss voneinander separierten Wandsegmente, naturgemäß auch halbseitig eigenständig arbeitende Hebel generiert werden. Besonders die oft unterschiedlich langen Wandsegmente führen zu halbseitig unterschiedlich starken Hebelkräften, die durchgehende Zusammenhangstrennungen der Hornwand entlang der Hornröhrchen und somit die Spaltung der Hufwand zur Folge haben können.

Es ist von der, auf beide so segmentierten Hufwandanteile einwirkenden physikalischen Druckkraft und besonders von deren Hebelkraft, deren Stärke von ihrer Länge und Schräge bestimmt wird, abhängig, ob und wie zügig sich aus der Zusammenhangstrennung zwischen den Hornröhrchen eine vom Tragrand ausgehende Spalte zwischen ihnen entwickelt. Mit zunehmender Länge und Schräge der, durch einen Spalt voneinander separierten Hufwandsegmente nimmt auch deren Spreizwirkung zu, in deren Folge, bodennah beginnend, beide segmentierten Wandbereiche auseinanderdriften und die Hufwand nach oben einreißen lassen. Unterschiedlich lange Hornstrecken bei den Hufwandsegmenten bestimmen den Grad der jeweiligen unterschiedlichen Hebel- und Spreizkräfte. Diese können eine Hufwand, auch bei halbseitiger Wirkung, bis zum Anfang der Hornröhrchen nach oben einreißen lassen, was dann zur durchgehenden Hornspalte und bis hin zur völligen Durchtrennung der Hufwand in zwei Segmente führt. Die, mit der Richtung der Hornröhrchen und zwischen ihnen verlaufenden Horndefekte stellen demnach immer Symptome einer physikalischen Überschreitung der Resistenzfähigkeit des Konstrukts Hufwand dar und sie fungieren, bei Hinzukommen von Hebelkräften, als Ausgangsbasis für Hornspalten.

Da an jedem Ort der Hufwand unterschiedliche Hufwandmechaniken ablaufen können treten Hornrisse auch an allen Orten der Hufwand auf. Dennoch gibt es typische Lokalisationen in deren Bereichen Hornrisse besonders häufig entstehen. Zu ihnen gehören die Hufzehenwand, in der sich infolge ihrer halbseitigen Überlänge, z.B. bei Vorliegen eines Zehenabweisers, aufgrund nicht zehenmittig angelaufener Zehenrichtung, meist in der Mitte der Zehenwand, ein oder auch mehrere Hornrisse bilden können. Sie sind die Folgen des Wechsels der Hufwandmechaniken infolge des Zwangabhufens bei einer solchen Veränderung, welche naturgemäß am körperfernsten Punkt ihre stärkste Ausprägung haben.

Weitere, für das Entstehen rillen- oder rissförmiger Horndefekte, typische Hufwandregionen sind die Übergänge der Hufseitenwände zu den Trachtenwänden. Hier, wo im Anschluss an den formstabilen Hufbeinknochen die elastischen Hufknorpel den inneren Hintergrund der Hornkapsel bilden, bestehen schon aufgrund der Härte und Struktur des Knochens im Gegensatz zu den elastischen Faserknorpeln, hier prädestinierende Hintergründe für das Entstehen solcher Hornwanddefekte. Deren Ursachen bestehen in Formveränderungen an den Übergängen der Hufseitenwände zu den Trachtenwänden, welche dort zu einer erworbenen Wandrundung führen.

Mit einer unphysiologischen Wandrundung geht immer ihre Biegesteifigkeit einher, und somit mit deren völlig anderen Hufwandmechaniken als im benachbarten mechanisch aktiven Hufwandbereich. Also kommt es auch am Ort des Wechsels der üblichen aktiven Hufmechaniken, mit der mechanischen Starre einer jeglichen erworbenen und somit unphysiologischen Wandrundung immer zu den zuvor beschriebenen Defekten am Gefüge der Hufwand. Verursacht werden solche Form-Veränderungen der Hufwand zu einer unphysiologischen Wandrundung zum Beispiel durch strahlwärts eingerollte und/ oder zehenwärts untergeschobenen Trachtenkomplexe.

Durch die üblich gebräuchlichen und oft auch in der Kombination angewandten Therapien des Pferdes und den Praktiken an seinen Hufen werden die physikalischen und somit orthopädischen Hintergründe und Ursachen für das Auftreten solcher Horndefekte völlig vernachlässigt. Sie können daher nicht geeignet sein, Hornrisse oder Hornspalten wirkungsvoll zu behandeln, sondern versuchen sich an den Symptomen. Indem aber mit der Nutzlosigkeit solcher Behandlungsversuche gleichzeitig deren Dauer anhält, können und werden sie die Schäden sehr wohl zusätzlich folgenreich fördern.

Bereits langes Experimentieren mit den herkömmlichen Versuchen verzögert den Beginn einer durchaus möglichen, real stattfindenden Rehabilitierung der veränderten Hufe – oder verhindert sie. Somit wird unter Umständen das orthopädische Problem zunehmend verschärft, welches sich hinter Rissen in einer Hufwand verbirgt, von dem aber weniger die Gesundheit des Horns betroffen ist, sondern die der Gliedmaße.

Weil die beschriebenen Horndefekte also deutliche Symptome eines veränderten Hufs darstellen, ist somit gleichzeitig die Statik und die Balance seiner gesamten Gliedmaßen verändert. Es handelt sich demnach bei ihnen um ernstzunehmende Hinweise darauf, dass die Tüchtigkeit und Unversehrtheit der Stütz- und Bewegungsorgane gefährdet ist. Erforderlich ist demnach die Abkehr von althergebrachten Meinungen und Hinwendung zur orthopädischen Betrachtung und Bewertung eines Schadensbildes, welches alltäglich ist und allerorten vorgefunden wird.

Jochen Biernat

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Brüche in der Hufwand

Die entlang und parallel mit den Hornröhrchen verlaufenden und daher eher glattrandigen Hornrisse- und Spalten in der Hufwand* dürfen nicht mit den weniger häufig anzutreffenden Hornwandbrüchen verglichen werden. Die weisen zwar einen ähnlichen Hintergrund wie Hornrisse auf, und entstehen ebenfalls grob im Hornröhrchen-Verlauf, folgen aber einer einmal entstandenen Rille oder einem Riss nicht durchgehend. Die Ränder eines Hornbruchs sind daher im Gegensatz zu denen der Hornrisse unregelmäßig und rau.

Zum Bruch der Hufwand kommt es aufgrund lokal begrenzter gegenläufiger Hufmechaniken, oder auch bei Schwächungen oder Über- bzw. Fehlbelastungen des Hornmaterials allgemein. Von solchen Brüchen des Wandgefüges infolge lokal gegenläufiger mechanischer Kräfte ist meist die Zehenwand betroffen. Ursächlich sind meist Zwangabhufen, infolge einer bewegungsphysikalisch ungünstigen, weil zehenabweisenden Verformung der Zehenwand (Zehenabweiser), bei belastungsphysikalisch ungünstigen Ausrichtungen einer oder beider Hufseitenwände, oder infolge unterschiedlich langer Hornstrecken vom Tragrand zur Hufkrone bei einer Innen- oder Außenwand. Weitaus häufiger aber birst aufgrund ihrer Überdehnung eine seitliche Hufwand. Dieses droht, wenn sie so zügig in eine unphysiologische Senkrechte und Rundung gebracht wird, dass die morphogenetischen Umbauprozesse des Hufbeinknochens dem nicht folgen können.

Wird eine Hufwand so zügig enger, dass der Umbauvorgang am Hufbeinknochen zeitlich nicht möglich ist, besteht am Ort des Ansatzes des sich daran anschließenden elastischen Hufknorpels ein halbseitiger Widerstand im Hufwandinneren, um den der Rundungsprozess der Hufwand herumgeleitet wird. Es kommt zu einer engen Biegung der Hufwand, wodurch im Zentrum ihres Scheitelpunkts das innenliegende und elastische Wandhorn komprimiert wird, während das härtere äußere Wandhorn auseinanderbirst. Ursächlich für das Entstehen eines Bruchs in der Hufwand sind, wie bei allen Horndefekten, die ungleichen Belastungsschwerpunkte und Hufmechaniken, die ein deformierter Huf generiert und denen er gleichzeitig formgebend unterliegt.Zum Bruch  der Hufwand kann es besonders auch dann kommen, wenn ein meist eher steilwandiger Huf halbseitig und diagonal überlastet ist, halbseitig eng und steiler bis übersteil geworden ist, und zudem einen eingerollten oder untergeschobenen Trachtenkomplex aufweist.     

Ein Bruch in einer Hufwand ist ein Defekt an bereits gebildetem Wandhorn. Er ist daher ebenso das Resultat der überschrittenen Resistenzfähigkeit des Horns und seines Gefüges, wie bei einem Hornriss und ist somit ebenfalls nicht ein Problem zu großer Trockenheit des Hufhorns, oder die Folge einer irgendwie gearteten Mangelernährung. Vielmehr liegt hier eine erhebliche Deformierung des Hufes vor, welche nicht nur schmerzhaft für das Pferd ist, sondern wie bei allen Horndefekten die Gefahr für das Eindringen von Nässe und Fäulnisbakterien in die Nischen birgt, die das defekte Wandhorn anbietet. Schwerwiegender wirkt sich ein deformierter Huf, der ja eine schützende und stützende Hornhülle zugleich ist, zum Nachteil der Statik, Balance und Bewegungsdynamik der gesamten Gliedmaße aus.

Zweifelsfrei können nicht zum Körpergewicht des Pferdes passende Hufe mit zu deren Deformieren beitragen und ebenfalls Hufe mit Mängeln in punkto Hornmasse und -qualität.  Dennoch weisen die beschriebenen Defekte an der Hornsubstanz immer auf postnatal erworbene und somit auf bedeutungsvolle Symptome einer gefährdeten Gliedmaße hin. Deren äußeres Erscheinungsbild ist ebenso typisch und leicht verständlich einzuordnen, wie die Geschehnisse, die dazu führten. Diese sind  einfach zu rekapitulieren und somit zu verhindern oder auch zu beheben. Wenn aber Hufe ihre angeborene und genetisch fixierte äußere Gestalt und Form verlieren ist dieses nicht gelungen und folglich muss nach dem grundsätzlichen Fehler gefragt werden, durch den Hufverformungen und die, durch sie entstandenen, Horndefekte entstehen konnten.  

* Siehe dazu: Von Hornrillen, Rissen und Spalten

© Copyright Jochen Biernat 01/18

Von der Hufrehe und tierärztlichen Maßnahmen

„Bei meinem Pferd wurde Hufrehe diagnostiziert“ ist eine der häufigsten Aussagen von Pferdebesitzern, wenn sie mich wegen Lahmheiten ihres Pferdes kontaktieren.

Tatsächlich ist eine Anzahl von Auslösern bekannt, die zur Hufrehe führen können. Sie kann schleichend über Wochen, oder bereits innerhalb weniger Stunden in ein Frühstadium eintreten. Dieses Frühstadium beginnt, wenn das Pferd mit Faktoren in Kontakt kommt, welche, die für die Auslösung der Hufrehe verantwortlichen, pathologischen Mechanismen auslösen können.

Vereinfacht gesagt führen diese pathologischen Mechanismen bei der systemischen Reheerkrankung zu einer Gerinnungsstörung des Blutes und zu seinem quantitativ reduzierten Durchfluss durch die Endungen der Kapillaren der Huflederhäute, wobei beide pathologischen Mechanismen Auslöser und Folgen sein können. (Stashak /Adams etc.)

Infolge der, mit der mangelhaften Blutversorgung einhergehenden Fehl- und Mangelernährung, insbesondere der dem Herzen fernsten peripheren Zellen der Hufwandlederhaut, verändern die ihren Verhornungsprozess oder stellen ihn gänzlich ein.  In der Folge kommt es zu einer Zusammenhangstrennung zwischen dem benachbarten Hufhorn und der Huflederhaut und zusätzlich zu physikalischen Kräften, die zur mechanischen Zerreißung des Hufbeinträgers führen.

Der Frühphase folgt die akute Phase. Sie beginnt mit den ersten Schmerzreaktionen und Störungen beim Gebrauch der Gliedmaßen, denen meist rasch zunehmende Lahmheiten folgen, welche bis zur völligen Unbeweglichkeit des Pferdes führen können.

Der infolge einer Hufrehe veränderte Huf weist in der Hornwand des Hufrückens typische Hornringe auf, welche hier eng beieinanderliegen und im Verlauf zu den Trachten größere Abstände einnehmen und weniger deutlich ausgeprägt sind. 

Die häufigsten Auslöser der pathologischen Mechanismen stellen nicht pferdegerechte Nahrungsinhalte dar, durch die es zu massiven Störungen der Verdauungsprozesse kommt.

Ferner können pathologische Prozesse aufgrund von Intoxikationen, z.B. infolge von Nachgeburtsverhalten, oder durch Medikamente und als Folge von Erkrankungen, insbesondere der Ausscheidungsorgane ausgelöst werden. 

Die Möglichkeiten, dass ein Pferd an einer Hufrehe erkrankt, sind also vielfältig. Dennoch gibt es deutlich mehr andere Ursachen, die zu vergleichbaren Veränderungen der Hufe und zu identischen Lahmheitsbildern wie bei der Rehe führen, die dann oft fälschlich als „Huf – Rehe“ diagnostiziert wird und die betroffenen Pferde folglich entsprechend als „Huf – Rehe Patienten“ fehlbehandelt werden.

Die auf diese Weise zustande kommenden Fehlinterpretationen von Lahmheiten können mit einer Häufigkeit von etwa 80 % beziffert werden, woran schon die Zuordnung rein mechanisch ausgelöster Entzündungen und Schmerzhaftigkeiten, namentlich die von der Saum- und Wandlederhaut ausgehenden, zur Krankheit Hufrehe einen sehr hohen Anteil hat.  

Häufig werden die betroffenen Pferde fehltherapiert, fragwürdigen Behandlungen unterzogen und deren Hufe meist zusätzlich mit sinnlosen oder gar schädigenden Beschlags-Varianten ausgestattet.

Die Leidtragenden sind neben den betroffenen Pferden auch deren Besitzer, die als Nicht-Fachleute damit zurechtkommen müssen, was die Fachleute anraten, anordnen und durchführen, immer im Vertrauen, dass das Beste und Mögliche für ihre Pferde getan wird. Sie müssen zulassen, wenn die Hufprobleme ihre Pferde falsch interpretiert und folglich mit untauglichen Mitteln versehen oder fehlbehandelt werden.   

Erheblichen Anteil an Fehlbehandlungen stellen die systematischen Verabreichungen und nicht kontrollierbare Abgaben von antibiotisch wirkenden Medikamenten an die Patientenbesitzer dar. Dieses obwohl bekannt ist, dass es sich bei der Hufrehe um eine aseptische Erkrankung der Huflederhäute handelt und jeglicher Einsatz von Antibiotika bekanntermaßen die Zunahme multiresistenter Keime fördert.  In Anbetracht dessen nebenbei zu erwähnen sind die unnötige Beeinträchtigung des Organismus der Pferde allgemein, sowie die störende Beeinflussung des regulären Stoffwechsels, besonders nachhaltig des Stoffwechsels der Huflederhäute.

Ein wesentlicher Mangel bei der Rehe Diagnostik ist, dass zwischen Deformierungen der Hufe infolge Störungen oder Erkrankungen des Stoffwechsels und solchen, aufgrund von rein physikalisch ungünstigen Einflüssen auf den Entstehungsprozess der Hufhorne nicht unterschieden wird.

So kommt es dazu, dass nicht differenziert wird zwischen überlangen und/oder zusätzlich konkav verbogenen Hufzehenwänden infolge unangepasster Nutzung der Hufe durch das Pferd und aufgrund nicht daran angepasster Hufbearbeitungsweisen und zwischen einer durch das Vorliegen einer Grunderkrankung des Stoffwechsels generierten Huf- und Hornveränderung wie bei der Hufrehe.

Weiterhin wird ungeachtet dieser, für eine Therapie und für zielführende Hufbehandlungen notwendigen, Unterscheidung zwischen einem Stoffwechsel bedingten Abdriften des Hufes von seinem Hufbein und dem schleichenden und rein physikalisch bedingten Abweichen des Hornschubes aus seiner physiologischen Richtung, jeglicher Verlust der engen und parallelen Anbindung des Hufes an den Hufbeinrücken fälschlich als Hufbeinrotation und somit als angebliche Hufrehe erkannt.

Mittel zum Zweck für die Diagnostik der Hufrehe stellen die röntgenologischen Befunderhebungen dar, mit deren Hilfe eine sogenannte Hufbeinrotation erkannt werden soll, wenn zwischen dem Hufbeinrücken und der Hufzehenwand eine vom Tragrand ausgehend breite und zur Hufkrone abnehmende Zusammenhangstrennung auf dem seitlich aufgenommenen Röntgenbild dargestellt ist. Diese nach oben spitz zulaufende keilförmige „Lücke“ am Ort des Hufbeinträgers soll nach Meinung der Schulmediziner durch den Zug der tiefen Beugesehne am Hufbein zustande kommen, wodurch das Hufbein angeblich in eine Flexion, d.h. in eine steilere Ausrichtung als zuvor gebracht worden sein soll.

Nach der Faktenlage, also bei korrekter Analyse der Vorgänge insgesamt, die zu den vorliegenden Befunden führten, muss konstatiert werden, dass sie von der Tiermedizin vom Grundsatz her fehlinterpretiert sind.

Fakt Nr. 1 ist das nicht Miteinbeziehen der gemeinsamen Strecksehne, mit deren Funktionalität und Zugkraft das betroffene Pferd einer mechanischen und somit äußerst schmerzhaften Zerreißung des Hufbeinträgers infolge der Drehung des Hufbeins in seiner Hornkapsel entgegenwirken wird. Tatsächlich kann nach dem Willen des Pferdes das Hufbein durch das Zusammenspiel der Muskulatur – der tiefen Beugesehne und die gemeinsame Strecksehne – in seiner Position gehalten wird.    

Schon daraus folgt, dass nicht das Hufbein „in Bewegung“ gebracht sein kann, sondern die das Hufbein/ die Hufknorpel umgebende Hornkapsel. Dass sich also der Huf seiner Hebelkraft folgend vom Hufbein absetzt. Im Gegensatz zum Hufbein und der daran ansetzenden Sehnen ist die Hornkapsel nicht mit einer ähnlichen Einrichtung ausgestattet, mit der das Pferd seinen Horn-Schuh ebenfalls kontrollieren und in der korrekten Position halten könnte.

Fakt Nr. 2: Indem bei einer Hufbeinrotation eine Straffung der vorderen Hufkrone und des anschließenden Gewebes bewirkt wird und es infolge der dabei hervortretenden vorderen Hufgelenk-Anteile des Kronbeins zu einer konvexen Rundung dort kommt, ist dort die Bildung der für die Hufrehe typischen und bekannten Rille in der Hufkrone ausgeschlossen.

Vielmehr kommt es hier, im Bereich der größten Schräge der Hufwand und der längsten Hornstrecke zu starken Hebelkräften, die bodenseitig nach vorne ausweichend, in der Hufkrone Druck nach innen/oben ausüben. Entsprechend entstehen die nachfolgenden Rehe-Ringe aufgrund einer mechanischen Einschnürung der, an die starre Hornwand anschließenden und nachgiebigen Hufkrone und des benachbarten weichen Gewebes.

Aufgrund dieser Einschnürung, sowie aufgrund des mangelhaft synthetisierten Wandhorns kommt es u.a. tatsächlich zu denen für eine Hufrehe typischen Ring- und Rillenbildungen, welche im Bereich der stärkeren Hufwand-Hebel und Drücke, also im Bereich des Hufrückens naturgemäß ihre stärkste Ausbildung haben, und enger beieinanderliegen als im Verlauf zu den mit weniger Kraft hebelnden Hufseitenwänden und Trachten.

Fakt Nr. 3: Infolge der angeblich stattgefundenen Rotation des Hufbeins soll es angeblich zu der gefürchteten Komplikation eines Durchbruchs der Hufbeinspitze durch die Hufsohle kommen.

Tatsächlich aber nimmt der Abstand der Hufbeinspitze zum Boden in dem Maße ab wie die Hornkapsel nach vorne/seitlich von ihrem Hufbein abdriftet. Das, zu Ringen zusammengefaltet, produzierte Wandhorn verkürzt die physiologisch erreichbare Hornstrecke ebenfalls, wodurch der Abstand der Hufbeinspitze zum Boden zusätzlich mit der Folge abnimmt, die zur Quetschung der betroffenen Huflederhäute und nachfolgend zu ihrem Durchbruch durch die Hufsohle führen kann. 

Fakt Nr.4: Aufgrund und infolge der, auf das Hufbein einwirkenden Körperlast, und zudem gefördert durch einen beschädigten und nur vermindert tragfähigen Hufbeinträger, wird das Hufbein in Folge einer Rehe vorne nach unten in seinen Hornschuh einsinken. Mit diesem Einsinken des Hufbeins nach unten geht eine mechanisch bedingte Aufstellung der vorderen hornproduzierenden Huflederhautpapillen nach oben einher, ein Umstand der den regulären Weg des produzierten Wandhorns zusätzlich abweichen lässt und seine Ringbildung zusätzlich begünstigt.     

Fehldiagnosen- und Behandlungen behindern ebenso wie das übliche Maskieren der krankhaften Veränderung durch Medikamentengaben und sogenannten Rehe-Beschlägen etc., die zielführenden Maßnahmen die zur Heilung führen können – dieses oft über lange Zeiträume hinweg.

Die hierdurch ausbleibende heilend wirkende Behandlung führt dann zwangsläufig zu überflüssig langwierigen und massiven Belastungen des Pferdes, wird das Problem der Zunahme multiresistenter Keime außeracht gelassen, es verursacht unverhältnismäßig hohe Kosten

Aus der Sicht der Pferde besteht perspektivisch die Gefahr, dass es die typischen und ihm nicht zumutbaren, weil dauerhaft unangenehmen, oder chronisch schmerzenden Rehe-Hufe erwirbt und durch sie behindert wird. Oder schlimmstenfalls, dass nicht reversible Veränderungen, mit unheilbaren Folgeerkrankungen infolge einer zuvor durchaus reversiblen also heilbaren Veränderung der Hufe ihm jegliche Lebensqualität nehme. „Kein Huf, kein Pferd“ beinhaltet nicht die Botschaft, sondern „veränderte Hufe armes Pferd“.

Es ist diesen unhaltbaren Umständen geschuldet, dass ich mich nun auch an dieser Stelle und in dieser Form kritisch mit solch chronischen Irrungen und ihren Folgen auseinandersetze.

Bereits seit über 20 Jahren wird von meiner Seite auf die Irrtümer der Tiermedizin bei der Rehe-Diagnostik und Hufdiagnostik allgemein hingewiesen und in der Theorie nachgewiesen, sie werden angesichts unzähliger – nach huforthopädischen Richtlinien – erfolgreich rehabilitierter Hufanomalien auch praktisch nachgewiesen.

Schon bei trefflicher Bewertung der bei der Rehe-Erkrankung real stattfindenden Vorgänge und zudem bei logischer Bewertung der erworbenen äußeren Veränderungen, sollte für deren Zustandekommen zum Rehe-Huf eine Hufbeinrotation zwingend ausgeschlossen werden können. Ist man nicht gewillt oder nicht mutig genug die althergebrachten Theorien zu hinterfragen? Obwohl man immer wieder feststellen muss, dass etwas offensichtlich nicht stimmen kann und nicht funktioniert? Weshalb ist man da nicht bereit über seinen meist akademischen Schatten zu springen und die Parameter zu wechseln? 

Nur sehr vereinzelt sahen sich seither Tiermediziner allgemein imstande sich moderneres Wissen anzueignen, als was ihnen von den Fakultäten zu den Hufen mitgegeben wurde. Es ist ein mühseliges Unterfangen der Realität zum Durchbruch zu verhelfen, infolge derer die Tiermedizin allgemein mit der Huforthopädie kooperiert und danach handelt, und um somit dem Tierschutz – als ihrem oberstem Gebot – auch an dieser Stelle Genüge zu tun. Denjenigen denen das gelungen ist zolle ich meinen Dank, Respekt und meine Anerkennung.

Jochen Biernat

11/2017

„Süßes Gras“

Liebe Pferdefreunde,  

aufgrund der bei Sonnenlicht stattfindenden Fotosynthese werden in Pflanzen einfache Gras-Zucker (Fruktose) gebildet, die als Nährstoff dem Pflanzenwuchs Energie verleihen sollen. Aber aufgrund des stagnierenden Graswuchses wie infolge der momentan vorherrschenden trockenen, kalten aber sonnigen Witterungsbedingungen, kommt es zu einer unverhältnismäßig hohen Konzentration an Fruktose in einer unverhältnismäßig kleinen Masse an Zellulose, dem Hauptbestandteil der Wände der pflanzlichen Zellen.

Wird die als Depot für den kommenden einsetzenden Gras-Wuchs gespeicherte Fruktose nicht für den Wuchs des Grases aufgebraucht, und somit das Fruktose-Depot nicht entleert, besteht für Weide-Pferde die Gefahr eine unverhältnismäßig hohe Konzentration an Fruktose mit einer geringen Menge an Gras aufzunehmen, mit der Folge einer drohenden Hufrehe.

Schon das im Frühling von den Pferden beliebte Knabbern an noch kurzen oder bereits angefressen Gräsern kann zu einer schleichenden, und oft über mehrere Wochen oder Monate verdeckt verlaufenden Erkrankung an Hufrehe führen.

Es ist leider die vielfältig vorherrschende aber irrige Auffassung, dass die hohe Konzentration an Fruktose bei Dunkelheit abnimmt, und Pferde abends oder bei Nacht gefahrlos zum Grasen auf die Koppel gelassen werden können. Dieses würde bedingen, dass die Fruktose-Depots bei fehlendem Sonnenlicht sich wieder entleeren, was an sich bereits die Einrichtung solcher Vorräte an Fruktose ad absurdum führen würde.

Wenn Sie Ihre Pferde vor dieser besonders im zeitigen Frühjahr drohenden und heimtückischen Erkrankung bewahren möchten, bleibt als Mittel der Wahl sie entweder nur dosiert dem Koppelgang zu überlassen oder abzuwarten bis sich infolge des Graswuchses die Fruktose auf ein angepasstes Mengenverhältnis im Gras verteilt hat.

Meine Kolleginnen und Kollegen im DIfHO wünschen Ihnen und Ihren Pferden einen unbeschwerten Frühling.

Ihr

Jochen Biernat